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So, 07:16 Uhr
17.01.2010

nnz-Forum: Der Krieg des Roland Koch

Roland Koch (CDU), seines Zeichens Hessischer Ministerpräsident, hat jetzt vorgeschlagen, Langzeitarbeitslose zur Arbeit zu zwingen. Dazu ein Statement im Forum der nnz.


Hessens Ministerpräsident Roland Koch (mit mir gottlob weder verwandt noch verschwägert), gibt manchmal den Mann fürs Grobe in der CDU. Sie erinnern sich: Unterschriften gegen doppelte Staatsbürgerschaft, „brutalstmögliche Aufklärung“, Knast für straffällig gewordene Kinder. Öffentlich verteidigt Herr Koch jetzt die Kanzlerin gegen Angriffe aus den dritten Reihen der CDU-Landesverbände – der Thüringer Fraktionsvorsitzende Mike Mohring gehört auch zu dieser Fronde - so in einem Interview mit dem Deutschlandfunk vom 15. Januar geschehen. Und fast zeitgleich greift er in der „Wirtschaftswoche“ das um sozialen Ausgleich bemühte Image der Regierungschefin als Kanzlerin aller Deutschen indirekt an. Um solches Niveau an Abgebrühtheit zu erreichen, muss Herr Mohring noch viel lernen.

So nimmt sich der Herr Koch jetzt die Langzeitarbeitslosen zur Brust: \"Wir müssen jedem Hartz-IV-Empfänger abverlangen, dass er als Gegenleistung für die staatliche Unterstützung einer Beschäftigung nachgeht, auch niederwertige Arbeit, im Zweifel in einer öffentlichen Beschäftigung“, sagte er der „Wirtschaftswoche“. „Damit niemand das Leben von Hartz IV als angenehme Variante ansieht.“

Es könne kein funktionierendes Arbeitslosenhilfe-System geben, das nicht auch ein „Element von Abschreckung“ enthalte. Das ist der von ihm bekannte Stammtischpopulismus der markigen Worte. Gängige Klischees werden vermischt, geschüttelt und als unappetitliche Brühe suggestiv ausgegossen: der faule und arbeitsscheue Langzeitarbeitslose, der es sich mit Lidl-Bier und in versifften Jogginghosen vor der Glotze auf der sozialen Hängematte gemütlich macht, während seine Hauptschul-Gören illegal Pornoseiten downloaden.

Andererseits die saubere fleißige deutsche Familie mit 3.000 € Bruttoeinkommen oder der hart schuftende mittelständische deutsche Unternehmer, die diese Asis nebst der ganzen Brut von Wirtschaftsflüchtlingen durchfüttern müssen. Selbstredend, dass jeder Sozialtransferbezieher in dieser „angenehmen Variante“ grundsätzlich zum Betrug am Sozialstaat neigt. Die Menschen – jedenfalls die armen - sind schlecht von Natur aus.

Mit seinem Vorstoß für einen gesetzlichen Arbeitszwang greift der Herr Koch in die Mottenkiste der Ideologie, die mehr der Büchse der Pandora gleicht. Auf keinen Fall unterstelle ich ihm, dass er sich dafür zielgerichtet etwa bei der Nazipropaganda bedient. Das würde ein demokratischer Politiker wie Roland Koch nie tun. Er stützt sich wahrscheinlich vielmehr mit den Sozialdemokraten auf den Apostel Paulus im 2. Brief an die Thessalonicher, wo geschrieben steht: „So jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen“. August Bebel und Lenin bezeichneten das als zutiefst sozialistisches Prinzip. Roland Koch - vielleicht ein verkappter Sozialist?

Fakt ist, dass er mit seinen emotionalen Parolen den Bürgern suggeriert, dass einfachste Lösungen für komplexe Probleme möglich sind. Arbeitsdienst gegen Hartz-IV-Schmarotzer. Was wird wohl als nächster Vorschlag von ihm kommen? Die konzentrierte Internierung (anfangs vielleicht nur in Tagesgruppen) von Langzeitarbeitslosen? Natürlich ist der Herr Koch intelligent und weiß, dass er praktisch (vorerst) nicht umsetzbaren Populismus produziert. Aber mit diesen Berlusconi-Allüren bereitet er den Boden für die mittlerweile schon gar nicht mehr nur schleichende Entdemokratisierung und Entsolidarisierung der deutschen und europäischen Gesellschaft.

Mir stoßen am Kochschen Vorstoß nicht seine Vorstellungen an sich auf. Solchen Unsinn kann man vom Hessischen Ministerpräsidenten jederzeit erwarten. Herr Koch ist ganz einfach so. In meinem Leben habe ich die Erfahrung gemacht, dass die biedersten Saubermänner auch immer dazu neigen, in Wahrheit die größeren Dreckferkel zu sein. Das Urteil hierüber überlasse ich den Fachleuten von der Psychoanalyse, die verstehen mehr als ich davon. Was mich beunruhigt ist, dass ein breites Umfeld seine Parolen widerspruchslos zu akzeptieren scheint und dass Herr Koch sich selbst der Zustimmung der deutschen Stamm- und Küchentische sicher meint.

Natürlich habe auch ich keine Lösung parat, weder für das große soziale Problem der Langzeitarbeitslosigkeit noch für das der Verwahrlosung einer breiten in Deutschland schon real existierenden Unterschicht. Ich hänge dem Vorschlag von Teilen meiner Partei nach einem bedingungslosen Bürgergeld für alle an. Nicht deshalb, weil ich glauben täte, dies wäre das Nonplusultra und der ultimative Ausweg. Sondern, weil ich finde, dass es zur Aufrechterhaltung einer demokratischen und friedlichen Bürgergesellschaft augenblicklich keine bessere Lösung gibt. Und persönliche Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit brauchen wir, um überhaupt in Frieden Lösungen suchen und möglich machen zu können. Ministerpräsident Koch weist da fatal in eine ganz andere Richtung der Problembewältigung.
Klaus-Uwe Koch, ein Liberaler aus Nordhausen
Autor: nnz/kn

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
H.Buntfuß
17.01.2010, 18:50 Uhr
Die eiskalten Rezepte eines Roland Koch
Dieser Artikel findet meine volle Zustimmung. Kann es sein, dass Roland Koch und seine Anhänger vielleicht etwas krank sind? Jedenfalls dort, wo bei normalen Menschen das Mitgefühl sitzt.

Ich frage mich, was dieser Mann mit solchen Vorschlägen erreichen will. Will er die Feudalherrschaft mit der Frohnarbeit wieder einführen, oder will er den sebstverschuldeten krisengeschüttelten Konzernen wieder auf die Beine helfen?

Denn eins ist doch klar: Wenn die Hartz-IV-Empfänger kostenlos für die Konzerne arbeiten müssen, dann können die Firmen einen großen Teil ihrer Arbeiter entlassen (z.B. durch Outsourcen) und sanieren sich so mit den Staatsknete-Beziehern auf Kosten der Steuerzahler. Die Banken werden ja schon aus den Steuertöpfen saniert. Aber vielleicht kommt unser neuer Finanzminister zusammen mit Ursula ja auf die Idee und vermietet künftig seine „Überflüssigen“. So etwas Ähnliches hatten wir ja schon einmal in der deutschen Geschichte.

Oder ist Koch vielleicht darauf aus, dass es zu einer Art Aufstand unter der armen Bevölkerung kommt? Dann allerdings kann man die Notstandsgesetze in Kraft setzen, und sind diese Gesetze erst in Kraft, dann hat man freien Spielraum für so manche Gesetze, die man schon in der Schublade hat.

Erinnert sei hier nur an die Spitzelgesetze von W. Schäuble (Kameras bis ins Schlafzimmer). Es soll ja auch schon konkrete Pläne geben, wie man mit der Bevölkerung umzugehen hat, falls es zu sozialen Unruhen kommt.

Eins muss den Bürgern klar werden: Wenn noch mehr solche Typen wie Koch in die Schaltzentralen gelangen, dann kehren wir zurück zur Sklaverei.
Sissi
17.01.2010, 19:39 Uhr
Politiker sollen erst einmal Arbeitsplätze schaffen
Dieser Herr Koch hat wohl noch nichts von der Würde des Menschen gehört, die unantastbar ist.
Wolfgang Reinhardt
18.01.2010, 07:43 Uhr
Fördern und dann fordern
Herr Koch will den Eindruck erwecken, dass das Gros der ALG II-Bezieher faul ist und sich in der sozialen Hängematte wohlfühlt. Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich kenne viele ALG II-Bezieher, die seit Anfang der 90er Jahre hunderte oder gar tausende Bewerbungen schrieben. Erfolglos.

Das große Los waren sog. 1 EURO-Jobs vielleicht sogar mal eine ABM, bei der man richtiges Geld verdienen kann oder unnötige "Fortbildungen". Es ist doch klar: wenn ein arbeitsloser Ingenieur jede Tätigkeit annehmen muß, dann nimmt dieser z.B. einem Bauarbeiter den Arbeitsplatz weg.

Der Bauarbeiter führt dann ungelernte Tätigkeiten aus und so drückt man die Löhne bis zum geht nicht mehr. Daher müssen Vollzeitbeschäftigte sich noch als "Aufstocker" selbst demütigen. Von den Hartz-Gesetzen des Herr Schröder halte ich gar nichts, aber selbst die sahen vor: erst fördern, dann fordern.

Dies geschieht aber nicht. Nach meiner Einschätzung sind von den ca. 5 Mio Arbeitslosen vielleicht 0,2 Mio arbeitsunwillig. Diese könnte man, wenn der Wille dazu vorhanden wäre, zwingen die soziale Hängematte zu verlassen. Allen anderen sollte man zunächst ordentliche, ihren jeweiligen Fähigkeiten entsprechende Arbeitsplätze anbieten und nur wenn diese nicht angenommen würden, sollten weitere Schritte eingeleitet werden.
Madame-Cherie
18.01.2010, 09:59 Uhr
Jetzt passt mal auf Ihr Unterschichtler und Sozialschmarotzer
... Eure Zeit in der sozialen Hängematte ist nun vorbei! Nur damit Ihrs wisst! Jetzt werden andere Seiten aufgezogen!

Clement, Sarrazin, Koch und Co haben nämlich aus der Vergangenheit gelernt! Denn, das was sie in letzter Zeit von sich geben, ich glaube diesen Ton auch schon mal gehört zu haben.

Alles schon mal da gewesen .....


(Erlass „Schutzhaft gegen Arbeitsscheue”, Januar 1938)

1. »Arbeitsscheue im Sinn dieses Erlasses sind Männer im arbeitsfähigen Lebensalter, deren Einsatzfähigkeit in der letzten Zeit durch amtsärztliches Gutachten festgestellt worden ist oder noch festzustellen ist, und die nachweisbar und in zwei Fällen die ihnen angebotenen Arbeitsplätze ohne berechtigten Grund abgelehnt oder die Arbeit zwar aufgenommen, aber nach kurzer Zeit ohne stichhaltigen Grund wieder aufgegeben haben.

2. Die örtlich zuständigen Arbeitsämter sind bereits angewiesen, die ihnen bekannten Arbeitsscheuen in der Zeit vom 18. Februar bis 3. März 1938 zu ermitteln und den Staatspolizei(leit)stellen mitzuteilen. (...)

. Nach Abschluss dieser Aktion sind weitere noch bekannt werdende Fälle von den Staatspolizei(leit)stellen abzugeben, an die auch dann die Arbeitsämter ihre Meldungen übersenden.

Na ja, was solls ....

Eine Regierung ist nicht der Ausdruck des Volkswillens, sondern der Ausdruck dessen, was ein Volk erträgt. (Kurt Tucholsky)

Also warten wirs mal ab .....

... denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit!
(Angela Merkel / Juni 2005)

Och, der passt auch noch ...

Der Pöbel bestünde aus solch niedrigen Tieren, dass diese gefährlich werden könnten, wenn sie nichts zu tun hätten, es sei mithin sicherer, sie zu beschäftigen, als sie auf dumme Gedanken kommen zu lassen. (George Orwell)

Oder das hier, diese Aussage ist ein Spiegel heutiger Politik - Jean-Claude Juncker (1999 als EU-Ratspräsident u. Premierminister von Luxemburg; heute [neben T. Blair] als EU-Präsident im Gespräch.)

Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.

Es ist nur noch Abartig - Was sich in Deutschland abpielt!

"Menschen? das sind für die da oben nur noch Kosten auf zwei Beinen."

Eine sozialdarwinistische Ordnung: Also "Sorge für dich selbst!"

Es ist kalt geworden in Deutschland!

Und wenn wir nicht bald aufstehen, wird es noch kälter für unsere Kinder!
Ferrarimeiki
18.01.2010, 10:51 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Verstoß gegen AGB
Nordhäuserin
18.01.2010, 11:59 Uhr
Warum?
Es scheint so, als wäre der Großteil der nnz-Leser Hartz-IV-Empfänger, Kämpfer für die Gerechtigkeit oder von Sozialneid zerfressen. Warum hat sich hier noch kein Ein-Euro-Jobber zu Wort gemeldet und von seinen aktuellen Erfahrungen berichtet.

Nun ist ja mal Fakt, dass im Landkreis Nordhausen und 800 Menschen in diesen Arbeitsgelegenheiten sind. Das sind nicht mal 1 Prozent der aller Landkreisbewohner. Klar haben die Probleme, aber nicht alle müssen draußen arbeiten.

Und noch eines: Viele von denen haben vor 20 Jahren die SED-Bonzen weggeschrien und die Deutschland-Fahne geschwenkt. Nun habt Ihr den Salat. Wie viele protestieren denn eden Donnerstag vor dem Arbeitsamt? Da ist es doch viel schöner, vor dem PC zu sitzen und zur Weltrevolution aufzurufen.
RGL
18.01.2010, 12:44 Uhr
@ Madame-Cherie
Bitte nicht so derb Madame! Es geht auch ein bisschen demokratischer. Immer die alten Geschichten aufwärmen, ist nicht besonders förderlich. Ansonsten bitte die Etikette wahren! Madame und Cherie
H.Buntfuß
19.01.2010, 19:30 Uhr
Mehrwertsteuer
Herr Koch haben Sie eigentlich einen Protestbrief an Ihre Parteispitze in Berlin geschrieben. Sie war es doch, die die Absenkung der Mehrwertsteuer für das Gaststättengewerbe verlangt und durchgesetzt hat. Oder irre ich da? Jetzt kommt auch noch hinzu, dass Ihre Partei mit einer großzügigen Spende von eben diesen Gewerbe bedacht wird.

Ist das alles nicht sehr seltsam? Hier zeigt sich deutlich welches Klientel Ihre Partei vertritt. Ich bin mal gespannt, ob Ihre Partei nun auch dafür sorgt, dass die Absenkung der Mehrwertsteuer auch an die Kunden weitergegeben wird. Bis jetzt ist dass nicht der Fall.

In diesen Fall könnte die „FDP“ ihre Ehrlichkeit unter Beweis stellen.
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