Do, 16:52 Uhr
21.01.2010
Gerber hilft Theater
Die Wünsche eines Theater in punkto Requisiten sind oftmals ausgefallen. Ab und zu können die aus eigener Kraft nicht erfüllt werden. Wir haben für Sie ein tierisches Beispiel...
Jürgen Stölcker (li) und Michael Stoff beim Begutachten der Wildschweindecke
Im Bühnenbild mit Tieren zu arbeiten, ist nicht ganz unproblematisch. Schließlich wollen die Zuschauer nicht unbedingt Bekanntschaft mit einem vielleicht ins Publikum springenden Reh oder Ähnlichem machen. Da kann sich der Bühnenbildner anderer Requisiten bedienen, wie beispielsweise eines Bildes, einer Statue oder es dürfen auch mal Pappfiguren sein.
In der aktuellen Operninszenierung Der Wildschütz werden die Zuschauer ein Wildschwein entdecken, zumindest war es mal eins. Übrig geblieben ist das Originalfell vom Schwein, die Wildschweindecke, wie die Jäger sagen. Und die stammt von einem Spezialisten, der sie fachgerecht bearbeitet hat: Jürgen Stölcker.
Der mittlerweile 70jährige arbeitet jeden Tag in seiner Gerberei in Mühlhausen, die sein Urgroßvater bereits 1895 in dem damaligen Gerberviertel Mühlhausens eröffnet hatte.
Der Beruf des Gerbers ist sehr selten geworden und Gerbereien findet man nur noch wenige. Er ist einer der ältesten Berufe überhaupt. Hört Jürgen Stölcker einmal auf, wird niemand seine Nachfolge antreten. 1956 hatte er selbst als Gerber angefangen, seine Mutter war damals in der DDR die einzige Gerbermeisterin. Prominentester Gast in der Gerberei war 1993 der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Er ließ sich durch die Gerberei führen und war sehr beeindruckt von diesem Handwerk.
Auftraggeber kommen inzwischen aus ganz Deutschland. Schaffelle werden vor allem gebracht, aber auch Füchse, Waschbären, alles was es an Felltieren gibt. Sogar einen Elefant hat er schon gegerbt, aber auch Affen, Schlangen, ein Zebra, meist Aufträge aus Zoos.
Mit der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH hatte der Gerber bislang noch nichts zu tun. Bis er Ende des vergangenen Jahres angesprochen wurde, ob er vielleicht helfen könne. In der Oper Der Wildschütz wurde ein Wildschweinfell gebraucht. Und wer, wenn nicht er, könnte solch ein Fell für die Bühnenausstattung haben?
Michael Stoff aus den theatereigenen Werkstätten und Verantwortlicher für die Waffenkammer des Theaters machte sich also auf den Weg nach Mühlhausen und wurde fündig. Jürgen Stölcker hat den Theaterschaffenden für einen symbolischen Preis von einem Euro ein Wildschweinfell überlassen. Den Wert seiner Arbeit kann man fast nicht messen. Denn solch ein Fell braucht eine ganz spezielle Bearbeitung. Der Gerber hat beispielsweise das Wildschweinfell, das die Zuschauer nun auf der Bühne in der Oper Der Wildschütz sehen werden, eine ganze Woche in echter Handarbeit bearbeitet.
Die Premiere ist am Freitag, 22. Januar 2010, um 19.30 Uhr. Karten gibt es an der Theaterkasse, Tel. 03631 98 34 52.
Autor: nnz/knJürgen Stölcker (li) und Michael Stoff beim Begutachten der Wildschweindecke
Im Bühnenbild mit Tieren zu arbeiten, ist nicht ganz unproblematisch. Schließlich wollen die Zuschauer nicht unbedingt Bekanntschaft mit einem vielleicht ins Publikum springenden Reh oder Ähnlichem machen. Da kann sich der Bühnenbildner anderer Requisiten bedienen, wie beispielsweise eines Bildes, einer Statue oder es dürfen auch mal Pappfiguren sein.
In der aktuellen Operninszenierung Der Wildschütz werden die Zuschauer ein Wildschwein entdecken, zumindest war es mal eins. Übrig geblieben ist das Originalfell vom Schwein, die Wildschweindecke, wie die Jäger sagen. Und die stammt von einem Spezialisten, der sie fachgerecht bearbeitet hat: Jürgen Stölcker.
Der mittlerweile 70jährige arbeitet jeden Tag in seiner Gerberei in Mühlhausen, die sein Urgroßvater bereits 1895 in dem damaligen Gerberviertel Mühlhausens eröffnet hatte.
Der Beruf des Gerbers ist sehr selten geworden und Gerbereien findet man nur noch wenige. Er ist einer der ältesten Berufe überhaupt. Hört Jürgen Stölcker einmal auf, wird niemand seine Nachfolge antreten. 1956 hatte er selbst als Gerber angefangen, seine Mutter war damals in der DDR die einzige Gerbermeisterin. Prominentester Gast in der Gerberei war 1993 der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Er ließ sich durch die Gerberei führen und war sehr beeindruckt von diesem Handwerk.
Auftraggeber kommen inzwischen aus ganz Deutschland. Schaffelle werden vor allem gebracht, aber auch Füchse, Waschbären, alles was es an Felltieren gibt. Sogar einen Elefant hat er schon gegerbt, aber auch Affen, Schlangen, ein Zebra, meist Aufträge aus Zoos.
Mit der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH hatte der Gerber bislang noch nichts zu tun. Bis er Ende des vergangenen Jahres angesprochen wurde, ob er vielleicht helfen könne. In der Oper Der Wildschütz wurde ein Wildschweinfell gebraucht. Und wer, wenn nicht er, könnte solch ein Fell für die Bühnenausstattung haben?
Michael Stoff aus den theatereigenen Werkstätten und Verantwortlicher für die Waffenkammer des Theaters machte sich also auf den Weg nach Mühlhausen und wurde fündig. Jürgen Stölcker hat den Theaterschaffenden für einen symbolischen Preis von einem Euro ein Wildschweinfell überlassen. Den Wert seiner Arbeit kann man fast nicht messen. Denn solch ein Fell braucht eine ganz spezielle Bearbeitung. Der Gerber hat beispielsweise das Wildschweinfell, das die Zuschauer nun auf der Bühne in der Oper Der Wildschütz sehen werden, eine ganze Woche in echter Handarbeit bearbeitet.
Die Premiere ist am Freitag, 22. Januar 2010, um 19.30 Uhr. Karten gibt es an der Theaterkasse, Tel. 03631 98 34 52.
