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Do, 13:39 Uhr
08.04.2010

Immer weniger und immer dümmer

Insider wussten es bereits seit Jahren, doch es ist politisch nicht bequem, die Wahrheit zu sagen. Jetzt endlich hat es ein Verband getan: Die Schulabgänger sind immer ausbildungsunreifer. Mit anderen Worten: Sie sind immer dümmer. Hier die Ergebnisse einer Umfrage...


Die demografische Trendwende schlägt voll auf den Ausbildungsmarkt durch. Nicht Lehrstellen, sondern Bewerber sind knapp. Das bedeutet zum einen, dass die Chancen der Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz trotz noch immer schwieriger wirtschaftlicher Situation gut sind. Diese Entwicklung führt aber andererseits zu wachsenden Schwierigkeiten der Unternehmen,
ihren Fachkräftenachwuchs zu sichern. Das besagt eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, die heute veröffentlicht wurde.

Neben dem Demografiefaktor ist die mangelnde Ausbildungsreife vieler Schulabgänger ein großes Problem bei der Stellenbesetzung. Immer mehr Unternehmen organisieren inzwischen Nachhilfe. Das ergab unsere Umfrage unter mehr als 15.000 Unternehmen. Die Folge: Selbst im Krisenjahr 2009 konnte bereits jeder fünfte Betrieb nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Bei rund 220.000 aktiven Ausbildungsbetrieben in Industrie, Handel und Dienstleistungen bedeutet das, dass – grob geschätzt – rund 50.000 Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben sind.

Angesichts der demografischen Entwicklung und häufig fehlender Ausbildungsreife wird sich diese Situation in diesem Jahr nicht verbessern. Infolgedessen halten wir derzeit ein Minus von rund fünf Prozent bei den neuen IHK-Ausbildungsverträgen für realistisch. Weitere wichtige Ergebnisse der Umfrage:

Die Auswirkungen der Krise schwächen sich ab. 15 Prozent der Unternehmen wollen mehr ausbilden, 25 Prozent weniger, 60 Prozent halten ihr Ausbildungsangebot aufrecht. Damit bleibt bei drei von vier Unternehmen das Ausbildungsplatzangebot stabil oder vergrößert sicher sogar. Die betrieblichen Ausbildungspläne fallen somit trotz der noch nicht überwundenen Wirtschaftskrise insgesamt weniger pessimistisch aus als im Vorjahr. In den vorliegenden Umfragezahlen spiegelt sich noch die konjunkturelle Vorsicht wider, die nach dem Krisenjahr 2009 auch mehr als verständlich ist.

In dem Maße, in dem die Konjunktur in den kommenden Monaten Tritt fasst, dürfte sich der schon jetzt erkennbare positive Trend beim Ausbildungsplatzangebot fortsetzen. Der Mittelstand erweist sich als stabile Stütze. Betriebe mit 10 bis 199 Beschäftigten haben sich von den krisenbedingten Rückschlägen des letzten Jahres erholt und wollen 2010 wieder mehr ausbilden. Anders ist die Lage bei den Großunternehmen.

Insbesondere bei Industrieunternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten verschlechtern sich die Ausbildungspläne gegenüber den beiden Vorjahren. Das ist vor allem durch den Umsatzeinbruch auf den Exportmärkten begründet. Im Branchenvergleich planen insbesondere das Gastgewerbe
sowie Banken und Versicherungen eine Ausweitung ihres Ausbildungsplatzangebots. Die Ausbildungspläne der Industrie verschlechtern sich hingegen im Vorjahresvergleich. Diese Rückgänge in der Industrie können durch ein vergrößertes Angebot beim Handel, bei unternehmensnahen Diensten und beim Baugewerbe zumindest teilweise aufgefangen werden.

Die Fachkräftesicherung ist das Leitmotiv beim Ausbildungsplatzangebot. Für mehr als die Hälfte der Betriebe (Vorjahr 33 Prozent) hat mittlerweile die Sicherung des Fachkräftenachwuchses großen Einfluss auf ihre Ausbildungsentscheidung. Das zeigt nachdrücklich, wie sehr die Unternehmen die demografische Entwicklung als unternehmerische Herausforderung annehmen. Das Motiv „Geschäftserwartungen“ ist hingegen nur noch für 24 Prozent der Betriebe maßgeblich bei ihren Ausbildungsplanungen.

Immer weniger Jugendliche bewerben sich um eine duale Ausbildung. Die Zahl der Schulabgänger geht 2010 um weitere 25.000 Jugendliche bzw. 3 Prozent zurück (880.000 Schulabgänger). Bei den Haupt- und Realschülern – den wichtigsten Nachfragern nach Ausbildungsplätzen – beträgt der Rückgang sogar 4 Prozent (600.000 Abgänger aus Haupt- und Realschulen). Der dualen Ausbildung gehen außerdem weitere Bewerber verloren, da immer mehr Jugendliche in Deutschland ein Studium beginnen. 2006 waren es 350.000; 2009 bereits mehr als 420.000. Die Studienanfängerquote ist damit von 36 auf 43 Prozent gestiegen.

Damit fehlen der betrieblichen Ausbildung immer mehr Jugendliche. Beispiele verdeutlichen die Dimensionen: 2004 gab es in Leipzig noch rund 10.000 Bewerber um Ausbildungsplätze. Im Ausbildungsjahr 2009 waren es nur noch 5.000 Jugendliche – also eine Halbierung! Dieser Bewerberrückgang ist aber bei weitem kein ostdeutsches Phänomen mehr. Auch in Stuttgart waren im Ausbildungsjahr 2009 bei der örtlichen Arbeitsagentur nur noch 5.200 Bewerber registriert; 2004 waren es noch 7.200 – ein Rückgang um mehr als ein Viertel innerhalb von fünf Jahren.

Die Chancen für Altbewerber hingegen steigen. Deren Zahl ist weiter stark rückläufig: Von 2007 bis 2009 sank sie von 385.000 auf 244.000, also um fast 40 Prozent. Auch in diesem Jahr rechnen wir mit einem deutlichen Rückgang bei den Altbewerbern.

Der demografische Faktor wird durch Ausbildungshemmnisse verstärkt. Fast drei Viertel der Unternehmen, die solche Hemmnisse sehen, nennen an erster Stelle die mangelnde Ausbildungsreife. Die Unternehmen beklagen insbesondere unzureichende schulische Qualifikationen und mangelnde persönliche Kompetenzen bei den Ausbildungsplatzbewerbern. Die Betriebe sind nach wie vor unzufrieden mit der Leistungsbereitschaft (48 Prozent), Belastbarkeit (44 Prozent) und Disziplin (46 Prozent) der Bewerber. In den beiden letzten Bereichen melden die Betriebe eine Verschlechterung gegenüber dem Vorjahren.

Bei den „soft skills“ ist daher – neben der Schule – auch das Engagement der Eltern gefragt, damit ihre Kinder in Schule und Ausbildung erfolgreich sein können. Nachhilfe im Unternehmen wird zum Regelfall. Die Unternehmen werden in Reaktion auf die angespannte Bewerbersituation und die mangelnde Ausbildungsreife immer mehr zu Reperaturbetrieben. Mehr als die Hälfte organisiert in unterschiedlicher Form Nachhilfe im Unternehmen.

Die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) der Arbeitsagenturen werden dabei rege genutzt (31 Prozent der Betriebe). Andere Betriebe (18 Prozent) helfen, die Ausbildungsreife schon vor Beginn der Ausbildung zu verbessern. Sie ermöglichen Schülern über einen längeren Zeitraum hinweg wöchentliche Praxistage im Betrieb.

Fazit: Der Ausbildungspakt muss weiterentwickelt werden, um den Fachkräftenachwuchs zu sichern. Insgesamt ist der Verband zuversichtlich, dass wir durch die gemeinsamen Anstrengungen aller Paktpartner auch in diesem Jahr die zentrale Zusage des Ausbildungspakts einlösen: Jeder, der will und kann, erhält ein Angebot auf Ausbildung. Mit Blick auf die demografische Entwicklung und die mangelnde Ausbildungsreife muss der Ausbildungspakt in Zukunft stärker auf die Sicherung der Fachkräfte ausgerichtet werden.

Mehr Jugendliche als bisher müssen in die Lage versetzt werden, eine betriebliche Ausbildung aufzunehmen und erfolgreich abzuschließen. Das muss auch zentrales Thema der Qualifizierungsinitiative von Bund und Ländern bleiben.

Informationen zur DIHK-Ausbildungsumfrage 2010:
Die DIHK-Ausbildungsumfrage wurde in der Zeit vom 3. bis 19. Februar 2010 durchgeführt. Insgesamt beteiligten sich 15.333 Unternehmen an der Umfrage. Die Auswahl und Ansprache der Unternehmen erfolgte über die Industrie- und Handelskammern.
Autor: nnz

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