Mo, 13:16 Uhr
04.10.2010
nnz-Forum: Abwegige Meinung
Zu dem Beitrag zur Rezension der jüngsten Opern-Premiere am Nordhäuser Theater erreichte die nnz eine weitere Meinung eines Leser...
Wenn ich die Rezension von Charlotte Burg über die Premiere von Eugen Onegin im Theater Nordhausen in der Thüringer Allgemeine lese, frage ich mich wirklich, ob ich in der gleichen Veranstaltung gewesen bin. Ihre diffamierenden und herabsetzenden Bemerkungen über die Idee von Katharina Thoma, den Dichter Alexander Puschkin auf die Bühne zu bringen, sagen mehr über die Qualität der Rezensentin als die der Regie aus.
Ich empfand es als eine großartige Idee: Sie zeigt die Verbindung von Tschaikowsky und Puschkin, und durch die Einleitung und Überleitungen (in Versen) wird das Geschehen auf der Bühne verdeutlicht, zumal ja zwischen den einzelnen Szenen manchmal große Zeitperioden liegen.
Puschkin spielt auch mit, wenn er den Brief Tatjanas fortschreibt, während diese ihrer Zerrissenheit und Liebe in ihrer 20minütigen Arie Ausdruck verleiht, grandios die Idee, wie er den französischen Coupletsänger Triquet als Marionette führt, und erhellend seine Bemerkung, als Onegin Tatjana nun, da sie verheiratet ist, begehrt: Wie im Garten Eden verlocken den Menschen doch am ehesten die verbotenen Früchte. Charlotte Burg kritisiert die Sänger: "Kontrollierte Stimmführung ist allen Herren ein Fremdwort", und hat ein "Unvermögen zu Legato und Registerfärbungen" gehört. Diese Empfindungen sind mir nicht nachvollziehbar.
Ich fand im Gegenteil die Arie des Lenski (Joshua Farrier) vor dem Duell (Was wird der morgige Tag mir bringen) als musikalisch-lyrischen Höhepunkt der Oper. Mancher Zuhörerin werden die Tränen gekommen sein. Und Gavin Taylor spielt und singt den Onegin so zynisch-kühl als Mitglied der adligen Guts- und Großgrundbesitzerkaste, die sich aus Langeweile nur Duellen, Spiel- und Trunksucht hingibt, daß er einem im Verlauf der Oper physisch immer unsympathischer wird.
Ich könnte noch viele Punkte der Rezension kritisieren, das würde aber vermutlich den Rahmen eines Leserbriefes überschreiten. Der große Premierenbeifall sollte Charlotte Burg doch zeigen, daß sie eine völlig abwegige Meinung vertritt. Was wird sie denn auch sagen, wenn der Freistaat Thüringen 2012 über den Weiterbestand der Thüringer Theater befindet? "Weg mit dem Schrott" - oder wird sie vielleicht hinterher doch sagen, daß eine realistisches positives Urteil manches gerettet hätte? Lasst uns doch alle daran arbeiten, daß uns dieses Juwel erhalten bleibe!
Prof. Dr. Berend Willms, Bad Lauterberg im Harz
Autor: nnzWenn ich die Rezension von Charlotte Burg über die Premiere von Eugen Onegin im Theater Nordhausen in der Thüringer Allgemeine lese, frage ich mich wirklich, ob ich in der gleichen Veranstaltung gewesen bin. Ihre diffamierenden und herabsetzenden Bemerkungen über die Idee von Katharina Thoma, den Dichter Alexander Puschkin auf die Bühne zu bringen, sagen mehr über die Qualität der Rezensentin als die der Regie aus.
Ich empfand es als eine großartige Idee: Sie zeigt die Verbindung von Tschaikowsky und Puschkin, und durch die Einleitung und Überleitungen (in Versen) wird das Geschehen auf der Bühne verdeutlicht, zumal ja zwischen den einzelnen Szenen manchmal große Zeitperioden liegen.
Puschkin spielt auch mit, wenn er den Brief Tatjanas fortschreibt, während diese ihrer Zerrissenheit und Liebe in ihrer 20minütigen Arie Ausdruck verleiht, grandios die Idee, wie er den französischen Coupletsänger Triquet als Marionette führt, und erhellend seine Bemerkung, als Onegin Tatjana nun, da sie verheiratet ist, begehrt: Wie im Garten Eden verlocken den Menschen doch am ehesten die verbotenen Früchte. Charlotte Burg kritisiert die Sänger: "Kontrollierte Stimmführung ist allen Herren ein Fremdwort", und hat ein "Unvermögen zu Legato und Registerfärbungen" gehört. Diese Empfindungen sind mir nicht nachvollziehbar.
Ich fand im Gegenteil die Arie des Lenski (Joshua Farrier) vor dem Duell (Was wird der morgige Tag mir bringen) als musikalisch-lyrischen Höhepunkt der Oper. Mancher Zuhörerin werden die Tränen gekommen sein. Und Gavin Taylor spielt und singt den Onegin so zynisch-kühl als Mitglied der adligen Guts- und Großgrundbesitzerkaste, die sich aus Langeweile nur Duellen, Spiel- und Trunksucht hingibt, daß er einem im Verlauf der Oper physisch immer unsympathischer wird.
Ich könnte noch viele Punkte der Rezension kritisieren, das würde aber vermutlich den Rahmen eines Leserbriefes überschreiten. Der große Premierenbeifall sollte Charlotte Burg doch zeigen, daß sie eine völlig abwegige Meinung vertritt. Was wird sie denn auch sagen, wenn der Freistaat Thüringen 2012 über den Weiterbestand der Thüringer Theater befindet? "Weg mit dem Schrott" - oder wird sie vielleicht hinterher doch sagen, daß eine realistisches positives Urteil manches gerettet hätte? Lasst uns doch alle daran arbeiten, daß uns dieses Juwel erhalten bleibe!
Prof. Dr. Berend Willms, Bad Lauterberg im Harz
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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