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Mo, 18:25 Uhr
14.02.2011

Politik gefordert

Heute hatte sich kn an die Fersen eines Politikers geheftet und war in einer Seniorenresidenz unterwegs. Dabei lernte kn nicht nur einen Snoezelenraum kennen, sondern auch die Probleme, die wohl vor der Altenpflege generell stehen dürften...

Als heute der Bundestagsabgeordnete Steffen-Claudio Lemme (SPD) in der K+S Seniorenresidenz Sondershausen mit den Worten begrüßt wurde, „ich habe gehört, sie wollen hier leben“, winkte Lemme ab und meinte, ganz soweit sei er noch nicht. Der heutige Besuch soll die Pflegewoche der Bundestagsmitglieder vorbereiten, die in der Woche vom 28. Februar bis 3. März geht. Lemme wird dann je einen Tag in der AWO Seniorenresidenz Roßleben und in einer Einrichtung in Sömmerda mitarbeiten.

K+S Seniorenresidenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Der heutige Tag sollte aber zur Einstimmung dienen, um sich mit den Problemen der Altenpflege bekannt zu mache. In der Leiterin der Sonderhäuser Einrichtung hatte Lemme mit Petra Grosche eine aufgeschlossene Gesprächspartnerin. Die Einrichtung in Sondershausen wurde am 1. Juli 2005 eröffnet. Mit 96 Mitarbeitern (überwiegend weiblich) werden in 4 Wohnbereichen rund 120 Bewohner betreut, die mindestens die Pflegestufe 1 haben müssen.

K+S Seniorenresidenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Die Bebra fließt direkt unter dem Gebäude der Seniorenresidenz durch.

Das erste Mal sehr erstaunt war, als Petra Grosche berichtete, dass über 80 Prozent der Bewohner mehr oder weniger unter Demenz leiden. Hier hat sich in den letzten Jahren die Pflegebedürftigkeit völlig gewandelt. Wegen dieser hohen Zahl an dementen Bewohnern sei man zurzeit dabei, trotz des Neubaus viele Wohnbereiche umzugestalten, um sie besser den Anforderungen dementer Bewohner anzugleichen.

K+S Seniorenresidenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
So wurde u.a ein Snoezelenraum eingerichtet. Unter Snoezelen (sprich: „snuzelen“) versteht man den Aufenthalt in einem gemütlichen, angenehm warmen Raum, in dem man, bequem liegend oder sitzend, umgeben von leisen Klängen und Melodien, Lichteffekte betrachten kann. Hier sollen auf die Bewohner wechselnden Eindrücken einwirken, um einen gewissen Trainingseffekt zu erreichen. Das Snoezelen dient der Verbesserung der sensitiven Wahrnehmung und zugleich der Entspannung. Verschiedenartige visuelle Effekte erzeugt man mittels einer Farbdrehscheibe oder sich an der Raumdecke drehende Spiegelkugel und eine bequeme Sitz- und Liegelandschaft.

K+S Seniorenresidenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Einer der Wohnbereiche wird seit vier Wochen dahingehend bereits umgestaltet, dass zum Beispiel jede Zimmertür eine eigene Optik hat, die sich aus einem Haus in der Stadt Sondershausen ergibt.

K+S Seniorenresidenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Jetzt noch „normal gestaltete“ Wandflächen sollen dann mit Motiven aus der Stadt Sondershausen ausgestaltet werden (z.B. Stadtcafe, Alte Post usw.) damit man sich bei Ausflügen in der Stadt an solche Ort erinnert. Auch die Orientierung im Haus wird durch Farbgestaltung verbessert, in dem jedes Stockwerk eine andere Farbe erhält.

Der hohe Anteil dementer Bewohner hat, so Grosche, auch einen hohen Einfluss auf das Betreuungspersonal. Nicht nur auf die eigentliche Pflegekräfte, sondern auch auf Küchenkräfte und z.B. Reinigungskräfte kommen wesentlich höhere psychische Belastungen zu, die durch Arbeitsorganisation gemildert werden soll. Demente Bewohner werden teilweise in eigenen besonders gestalteten Wohnbereichen untergebracht, weil sich auch das Zusammenleben mit nichtdementen Bewohne nicht so einfach gestaltet.

Auf diese teils völlig veränderte Pflegebelastung muss sich die Politik einstellen, so Lemme im Gespräch. Da Lemme Mitglied des Bundesvorstandes der Volkssolidarität ist, wird er diesen Punkt sicher in seiner weiteren Arbeit verwerten können. Und auch in seiner Abgeordnetentätigkeit wird es interessant sein, soll doch im Laufe des Jahres ein neues Pflegegesetz erarbeitet werden, bei dem z.B. der Pflegebedürftigkeitsbegriff eine wichtige Rolle spielen.

Natürlich wurde auch über Kosten diskutiert. Der Kostensatz liegt in der Einrichtung beim Eigenanteil bei Pflegestufe 1 bei 750 Euro und bei Stufe 3 bei 980 Euro. Natürlich war auch die Diskrepanz der unterschiedlichen Entgeltbezahlung zwischen Ost und West bei den Pflegekräften ein Gesprächspunkt. Wir machen schon viel bei der Personalbindung, weil ein deutlich Pflegekräftemangel zu verzeichnen sei und man kämpfen müssen, dass der Pflegekräfteprozentsatz nicht unter 56 Prozent sinkt.

Bei einem Rundgang durch die Einrichtung informiert Petra Grosche über die vielfältigen Aktivitäten, die mit den Bewohnern veranstaltet werden. Ob Jahrestagsfest, oder Weihnachts- und Silvesterfeiern, es ist viel los. Selbst einen eigenen Kinoraum hat man. Auch wenn freie Arztwahl ist, kommt doch regelmäßig ein Zahnarzt in die Einrichtung und auch ein Raum für den Friseur gibt es. Was selbst bei kn nicht bekannt war, die Cafeteria kann auch beim Mittagessen und Kaffeetrinken von nicht Heimkräften genutzt werden. Mancher Werktätige der Umgebung kommt mal schnell zur Mittagspause vorbei.

Auch kn hat sich mit der Kamera ein wenig umgeschaut. Steffen Lemme zeigte sich beeindruckt von dem Gesehenen und gab zum Abschluss des Rundganges gegenüber kn ein Fazit bekannt, bevor mit der Pflegeleitung die Gespräche fortgesetzt wurden.


Fazit Steffen Lemme

K+S Seniorenresidenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
K+S Seniorenresidenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
K+S Seniorenresidenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
K+S Seniorenresidenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
K+S Seniorenresidenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
K+S Seniorenresidenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
K+S Seniorenresidenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
K+S Seniorenresidenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
K+S Seniorenresidenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
K+S Seniorenresidenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
K+S Seniorenresidenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
K+S Seniorenresidenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
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