Mi, 16:41 Uhr
30.03.2011
nnz-Bücherkiste: Inselwahnsinn!
Kühle, überlegen handelnde und naturverbundene Norweger lernen wir in dem zu besprechenden Buch nicht kennen. In "Tote Finnen essen keinen Fisch" regiert ganz im Gegenteil eindeutig der Wahnsinn!
tote finnen (Foto: kiwi)
Tote Finnen essen keinen Fisch
Björn Ingvaldsen
(KiWi Paperback)
Nun hat der finnische Großmeister der literarischen Chaossteigerung Arto Paasilinna einen norwegischen Konkurrenten bekommen. Und seine Übersetzerin Christel Hildebrandt will uns genau das sagen. Denn den norwegischen Originaltitel Ungkarsfestivalen mit Tote Finnen essen keinen Fisch ins Deutsche zu übertragen ist recht frei und lockt exakt die Paasilinna-Fans an. Kann ich ganz klar aus eigener Erfahrung bestätigen.
Obwohl er Norweger ist wird Ingvaldsen für dieses Werk den Literaturnobelpreis voraussichtlich nicht erhalten. Aber das macht nichts, dafür ist sein kleiner Roman sehr unterhaltend. Die Paasilinna-Dramaturgie, die den Glauben des Lesers, dass es nun nicht mehr schlimmer kommen könne für den Helden, immer wieder zerstört und noch ein neues ungeahntes Leid hervorzaubert, findet bei Ingvaldsen nachgerade exemplarische Anwendung. Auch alle Freunde der legendären Olsenbande werden sich ob der Dümmlichkeit der Akteure wehmütig an die Glanzzeiten von Egon, Kjeld und Benny erinnern.
Worum geht es also?
Auf einer Nordseeinsel kommen zwei Überlebenskünstler auf die Idee, ein Junggesellenfestival zu veranstalten und als künstlerisches Zugpferd dafür Robbie Williams zu engagieren. Dabei ergeben sich erstaunlich viele Möglichkeiten Geld zu ergaunern und es grandios wieder einzubüßen. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt dabei der Alkohol. Und wir reden hier nicht von einem Bierchen, sondern von Hektolitern geschmuggelten polnischen Fusels, der zum Betäuben der Altersheimbewohner ebenso taugt wie zur Durchführung eines erfolgreichen Golfschnupperwochenendes ohne Hotel, Golfplatz oder ähnlichen unsinnig kostspieligen Dingen. Und zur Ruhigstellung einer finnischen Band ist er auch nützlich. Allerdings werden die Musiker so ruhig gestellt, dass sie die planmäßigen Festivalvorbereitungen zu behindern drohen.
Neben der Tatsache, dass die Rolf Royce Band keinen Fisch mehr verzehren kann, wird uns auch dargelegt, wie man vier tote Finnen unauffällig von der Insel kriegt. Außerdem gibt es Moorleichen, eine Schießerei mit der Balkanmafia, thailändische Masseusen und unerwünschte Pläne für eine neue Straße, die auf der Insel für ordentlich action sorgen. Im Mittelpunkt steht ein strafversetzter Bankangestellter, der von einem Wahnsinn in den anderen gezogen wird. Am Ende sind dann alle glücklich. Na ja, jedenfalls alle, die es überlebt haben. Und Robbie Williams hätte um ein Haar auch noch seinen Auftritt gehabt im Buch.
Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Fortsetzung. Krimis werden ja auch nur noch in Serie geschrieben. Warum also nicht auch schwarzhumorige Geschichten wie diese hier?
OLAF SCHULZE
Autor: nnz
tote finnen (Foto: kiwi)
Tote Finnen essen keinen Fisch
Björn Ingvaldsen
(KiWi Paperback)
Nun hat der finnische Großmeister der literarischen Chaossteigerung Arto Paasilinna einen norwegischen Konkurrenten bekommen. Und seine Übersetzerin Christel Hildebrandt will uns genau das sagen. Denn den norwegischen Originaltitel Ungkarsfestivalen mit Tote Finnen essen keinen Fisch ins Deutsche zu übertragen ist recht frei und lockt exakt die Paasilinna-Fans an. Kann ich ganz klar aus eigener Erfahrung bestätigen.
Obwohl er Norweger ist wird Ingvaldsen für dieses Werk den Literaturnobelpreis voraussichtlich nicht erhalten. Aber das macht nichts, dafür ist sein kleiner Roman sehr unterhaltend. Die Paasilinna-Dramaturgie, die den Glauben des Lesers, dass es nun nicht mehr schlimmer kommen könne für den Helden, immer wieder zerstört und noch ein neues ungeahntes Leid hervorzaubert, findet bei Ingvaldsen nachgerade exemplarische Anwendung. Auch alle Freunde der legendären Olsenbande werden sich ob der Dümmlichkeit der Akteure wehmütig an die Glanzzeiten von Egon, Kjeld und Benny erinnern.
Worum geht es also?
Auf einer Nordseeinsel kommen zwei Überlebenskünstler auf die Idee, ein Junggesellenfestival zu veranstalten und als künstlerisches Zugpferd dafür Robbie Williams zu engagieren. Dabei ergeben sich erstaunlich viele Möglichkeiten Geld zu ergaunern und es grandios wieder einzubüßen. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt dabei der Alkohol. Und wir reden hier nicht von einem Bierchen, sondern von Hektolitern geschmuggelten polnischen Fusels, der zum Betäuben der Altersheimbewohner ebenso taugt wie zur Durchführung eines erfolgreichen Golfschnupperwochenendes ohne Hotel, Golfplatz oder ähnlichen unsinnig kostspieligen Dingen. Und zur Ruhigstellung einer finnischen Band ist er auch nützlich. Allerdings werden die Musiker so ruhig gestellt, dass sie die planmäßigen Festivalvorbereitungen zu behindern drohen.
Neben der Tatsache, dass die Rolf Royce Band keinen Fisch mehr verzehren kann, wird uns auch dargelegt, wie man vier tote Finnen unauffällig von der Insel kriegt. Außerdem gibt es Moorleichen, eine Schießerei mit der Balkanmafia, thailändische Masseusen und unerwünschte Pläne für eine neue Straße, die auf der Insel für ordentlich action sorgen. Im Mittelpunkt steht ein strafversetzter Bankangestellter, der von einem Wahnsinn in den anderen gezogen wird. Am Ende sind dann alle glücklich. Na ja, jedenfalls alle, die es überlebt haben. Und Robbie Williams hätte um ein Haar auch noch seinen Auftritt gehabt im Buch.
Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Fortsetzung. Krimis werden ja auch nur noch in Serie geschrieben. Warum also nicht auch schwarzhumorige Geschichten wie diese hier?
OLAF SCHULZE