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Sa, 00:02 Uhr
18.06.2011

Zum BFD diskutiert

Zu einer Diskussionsrunde nach Sondershausen hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung eingeladen. Thema, der Bundesfreiwilligendienst (BFD). Hier einige Einzelheiten...

Zum BFD diskutiert (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Der Leiter des Thüringer Landesbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung konnte sich bei der Begrüßung über zahlreiche Interessenten freuen. Wer bisher in Sondershausen und Umgebung mit Zivildienst oder mit dem Freiwilligen sozialen Jahr (FSJ) zu tun hatte, war erschienen.

Hintergrund
Der zum 1.7.2011 startende Bundesfreiwilligendienst löst den mit der Aussetzung der Wehrpflicht ebenfalls wegfallenden Zivildienst ab. Rund 35 000 Freiwillige sollen künftig pro Jahr im Nachfolgerprogramm für den Zivildienst soziale, ökologische oder kulturelle Hilfe leisten. Der neue Dienst kann 6 bis 24 Monate dauern und steht im Gegensatz zum Zivildienst auch Frauen und älteren Menschen offen. Die Bundesregierung gibt dafür 350 Millionen Euro aus. Die Freiwilligen bekommen davon ein monatliches Taschengeld von bis zu 330 Euro.

Zum BFD diskutiert (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ulrich Fuchs (Leiter Bildungszentrum Sondershausen (BAFzA) früher Zivildienstschule) - Andreas Leopold (Der Paritätische) - Steffen-Claudio Lemme (SPD Bundestagsmitglied) und der Moderator des Abends Sebastian Brennecke von Antenne Thüringen.

Zuerst Ulrich Fuchs die Eingangs als Hintergrund genanten Dinge erläutert. Dabei betonte er, dass es der Wille der Bundesregierung sei, mit dem BFD eine neuartig ausgeprägte Freiwilligenhaltung zu begründen. Er sparte aber auch Problempunkte nicht aus, wie die ungeklärte Situation des Kindergeldes.

Fuchs sagte später in der Diskussion, wir haben jetzt mit dem BFD eine Marktsituation die nicht mit Geld geregelt werden kann, sondern er muss über Aufgaben attraktiv ausgefüllt werden. Ziel sei es ja auch, den Betroffenen eine möglich neue Orientierung im Leben zu geben.

Andreas Leopold sprach aus der Sicht der Träger. Die Forderung des Paritätischen sei, das FSJ solle weitergeführt werden. In Sondershausen ist hier der Verein Starthilfe e.V. aktiv. Alle Freiwilligen unter 27 Jahre sollten ihren Dienst über das FSJ leisten und nicht über den BFD. Er erinnerte daran, dass ALG II Empfänger in der Zeit des BFD nicht mehr für die Job-Center greifbar sind. In der Diskussion wurde ergänzt, dass nach der Zeit des BFD der ALG II Empfänger wieder in ALG I wechselt.

Ob aber die Ziel des BFD erreicht werden? Noch ist allerdings völlig unklar, ob sich diese Hoffnungen auf ein breites freiwilliges Engagement erfüllen. Von Thüringer Trägern war bislang zu lesen, dass sich noch nicht ausreichend Bewerber/innen für zu vergebende Plätze gemeldet hätten. Lemme nannte Zahlen und berief sich auf den MDR, dass 90 Prozent der Stellen nicht besetzt werden könnten. In Thüringen hätten sich erst 16 Leute gemeldet, bei 500 möglichen Stellen.

Auch in diesem Forum wurden die Sachen angesprochen, wie sie schon in der Presse diskutiert wurden. Viele Detailfragen seien bislang offen und das Verhältnis zu den bewährten Jugendfreiwilligendiensten etwa dem freiwilligen sozialen Jahr nicht geklärt. Und die schon gegenüber dem Zivildienst oft geäußerte Sorge, dass er reguläre Arbeitsplätze verdränge und zum Lohndumping im Sozialsektor beitrage und damit falsche Signale für den Arbeitsmarkt setzte, richtet sich nun auf den Freiwilligendienst. Sozialdezernent Georg Schäfer vom Landratsamt Kyffhäuserkreis sieht sogar die soziale Betreuung in Gefahr.

Sorgen bereit Monika Schreier vom Mehrgenerationenhaus Sondershausen, dass man zwei BFD Stellen schaffen müsse, um die Förderfähigkeit nicht zu verlieren. Jürgen Rauschenbach, von Starthilfe e.V., sagte, wir sehen bei BFD, dass das mehr auf ältere Bürger zugeschnitten sein sollte.

Sowohl Lemme als auch Leopold wiesen auf die noch großen Mängel in der Vertragsgestaltung hin. Für Leopold ein klares Indiz dafür, warum es zur Zurückhaltung bei den Bewerbern kommt. Auch Lemme sieht die Gefahr, das freiwillige Dienste verdrängt werden.

Er fasste seine Kritik am BFD in vier Punkten zusammen:
  • Mangelnde Informationspolitik der Bundesregierung
  • Schaffung eines teuren doppelten Dienstes zum FSJ
  • Einige Regelungen (z.B. Kindergeld) sind noch nicht ausreichend geklärt.
  • Der BFD hat ein großes Altersspektrum, aber zu wenig unterschiedlich zugeschnittene Strukturen.


Und das Fazit des Abends? Es wurde reichlich diskutiert, aber Klarheit konnte noch nicht geschaffen werden. Offensichtlich sind die Mängel doch zu gravierend? Positiv, dass der Paritätische kleineren Vereinen angeboten hat, Unterstützung bei der Organisation des BFD zu geben, auch wenn man nicht im Dachverband des Paritätischen sei.
Zum BFD diskutiert (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Zum BFD diskutiert (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Zum BFD diskutiert (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
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