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Di, 10:15 Uhr
05.07.2011

Am Flop vorbei?

Ohne konkrete Festlegungen über die weitere Vorgehensweise zum Aufbau eines alltagstauglichen Radwegenetzes ging am Freitag die erste Radwegekonferenz des Kyffhäuserkreises zu Ende. Erster kleiner Schritt wurde aber getan...

Begrüßt wurden die Teilnehmer der Konferenz von Landrat Peter Hengstermann (CDU). Zahlreiche Bürgermeister bzw. Vertreter der Kommunen waren in den Sitzungssaal des Landratsamtes gekommen. Hengstermann wies auf die Erfolge des Unstrutradweges hin. Der anschließende Bericht zum Monitoring zeigte, dass zwischen Mai und November 2010 wurde er von 40.000 Radfahrern genutzt wurde. Aber Vorsicht mit der Euphorie! Von dem rund 190 km langen Unstrutradweg führen gerade mal 60 km (55 km), die Angaben schwanken, durch den Kyffhäuserkreis.

Radwegekonferenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Radwegekonferenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Was schon an Hand der Einladung zu befürchten war, ist eingetreten. Bei der 1. Radwegekonferenz ging es, wie schon die Einladung befürchten ließ, seitens des Landratsamtes nur um den touristischen Teil des Radwegenetzes. Und auch beim Landrat spielte es keine Rolle. Das es im Prinzip im Kyffhäuserkreis kein alltagstaugliches Radwegenetz gibt, wurde leider mit keinem Wort erwähnt oder behandelt.

Die Begründung die Landrat Peter Hengstermann im Anschluss an die Veranstaltung gegenüber kn äußerte, wir können als Landkreis keine straßenbegleitenden Radwege bauen, dass kann nur das Straßenbauamt, ist dann doch etwas zu dünn. Es wäre schon mal seine Pflicht und Schuldigkeit gewesen, sich öffentlich für den Ausbau eines alltagstauglichen Radwegenetzes einzusetzen und die Entscheidungsträger aufzufordern, hier mehr Initiative zu zeigen, ob in Richtung Landesregierung, Straßenbauamt und vor allem auch den Landtagsmitgliedern, aber auch gegenüber den Kommunen.

Trotzdem ist die 1. Radfahrkonferenz ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Viele Hinweis gab es vom Vorsitzenden des ADFC Kyffhäuserkreis, Steffen Gröbel. Auch er würdigte, dass der Kyffhäuserkreis 1,5 Millionen Euro in den Ausbau des touristischen Radwegbaus stecken wird und den Unstrut-Werra-Radweg bis 2013 bauen wird. Er sagte aber auch ganz kritisch, so schön zwei touristische Radfernwege für den Kreis sind (manche Landkreis haben keinen Einzigen), so muss man auch sehr kritisch bemerken, es fehlt der notwendige Anschluss eines Basisradnetzes. Der Tourist soll ja nicht nur auf dem Fernweg bleiben, sondern der soll möglichst mehrere Tage in der Region bleiben. Außer dem Kyffhäuserradweg, gibt es aber kaum befahrbare regionale Radwege, so Gröbel und auch der alltagstaugliche Radwegenetz, ist in den meisten Orten nicht vorhanden, denn alle Sehenswürdigkeiten liegen nun mal nicht am Unstrut-Werra-Radweg.

Radwegekonferenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Radwegekonferenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Natürlich, so Gröbel, muss auch die notwendige Beschilderung für die Radfahrer innerhalb der Ortschaften funktionieren, denn die sollen ja in die Museen und Gaststätten (und dort ihr Geld lassen ergänzt kn).

Ein ganz wichtiger Punkt aber auch, so Gröbel, die Beseitigung von Gefahren für die Radfahrer. Vor allem innerorts sind Radwege nicht immer die optimalste Lösung. Erst recht nicht, wenn die Bordsteinabsenkung auf Nullniveau für die Radfahrer vergessen wurde. Fahrradschutzstreifen auf den Fahrbahnen, dass zeigen Ermittlungen (so Gröbel), bieten oft mehr Sicherheit als Radwege, besonders wenn es viele Firmen- und Geschäftsausfahrten gibt. Typisch die Hospitalstraße von Sondershausen.

Gröbel hatte die Bildung von Arbeitsgruppen angeregt, so eben zum Thema Basisradnetz, Infrastruktur (Beschilderung) und Sicherheit für Radfahrer. Leider wurde dieser Punkt bisher nicht aufgegriffen, zumindest gab es in der Konferenz keine entsprechenden Beschlüsse. Bis vielleicht in einem Jahr die nächste Radfahrkonferenz stattfindet, sollte man bei so wichtigen Themen nicht warten.


Und mit der Forderung von Gröbel, die Lücken zwischen den Ortschaften im Radwegnetz zu schließen fand er bei Sondershausens Bürgermeister Joachim Kreyer (CDU), der ankündigte, Maßnahmen zur besseren Anbindung (nur weinige Ortsteile sind sicher mit dem Rad erreichbar) einzuleiten, offene Ohren.

Leider, dass muss man kritisch feststellen, dass es in der Diskussion selbst wenig Wortmeldungen aus den Kommunen gab, denn der ADFC sprach auch sprach ja auch die Kommunen an, denn die haben ja beim Basisnetz wichtige Aufgaben zu erfüllen.

Der Chef des Kyffhäusertourismusverbandes Herbert Knischka brachte zwar einen sehr informativen Bericht über den Tourismus im Kyffhäuserkreis, aber über Radtourismus konnte er auch keine riesigen Erfolge berichten, sind doch von 600 km ausgewiesener Radwanderwege nur 65 km ausgebaut. Kritik von Knischka kam über den Zustand des Kyffhäuserradweges im angrenzenden Sachsen-Anhalt. Sowohl er, als auch Gröbel stellten fest, dass sich die Gastronomie im Kyffhäuserkreis kaum auf Radtouristen eingestellt hat.

Ebenfalls wurde wenig darüber gesprochen, wie es denn nach 2013, wenn der Unstrut-Werra-Radweg gebaut wurde, mal weitergehen soll. Man muss der Tatsache ins Auge blicken, dass der Norden Thüringens vom Zentrum Thüringens (Erfurt) auf relativ direktem Weg radwegeseitig völlig abgekoppelt ist. Auch fehlt eine richtige Querverbindung in Ost-West-Richtung) im Norden Thüringens. Hier könnte ein Radweg Unstrut-Wipper mit Zielrichtung Leinefelde – Heiligenstadt – Göttingen einen Anschluss an das norddeutsche Radwegenetz bringen. Ziel muss es sein, unsere Region mit Gebieten zu verbinden, aus denen auch viele Radfahrer kommen könnten.

In der Diskussion wurde auch die schwere Kritik am Radtourenplaner der Thüringer Landesregierung geübt. Für den Bereich Sondershausen wurden Wegestücke aufgenommen, die in so einem Tourenplaner nichts, aber auch absolut nichts verloren haben. Für Sie hatte kn bereits in Artikel wie Radroutenplaner unausgereift, Radroutenplaner unausgereift (2) und Mängel nicht beseitigt auf die Missstände hingewiesen. Seit nun schon fast einem Jahr hat sich nicht geändert.

Fazit:
Da man die Veranstaltung als Radkonferenz bezeichnet hatte, wurde ganz einfach viele Erwartungen nicht erfüllt. Der Bürger will immer mehr gut und sicher mit dem Rad unterwegs sein. Und da gibt es nun mal zwei Komponenten, touristische Radwege und Alltagsradwege (Basisradwegenetz). Vom ADFC hat Steffen Gröbel fast als Einziger auf die Probleme von Sicherheit und Alltagsradverkehr hingewiesen. Trotzdem widersprach Gröbel im Gespräch mit kn, die Veranstaltung als halben Flop zu bezeichnen. Anderorts wurde auch mit so kleinen Schritten begonnen.

Sein Wort in Gottesohr, wie der Volksmund so schön sagt. Bleibt zu hoffen, dass auch in Fragen Sicherheit Bewegung reinkommt. Für mich als passionierten Radfahrer war die Radkonferenz ein halber Flop. Aber man muss ja meine Meinung nicht teilen. Mag sich der Leser selbst ein Urteil bilden.
Karl-Heinz Herrmann

Radwegekonferenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Radwegekonferenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Radwegekonferenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Radwegekonferenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Radwegekonferenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Radwegekonferenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Radwegekonferenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Radwegekonferenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Radwegekonferenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Radwegekonferenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Radwegekonferenz (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Autor: khh

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