Sa, 13:14 Uhr
16.07.2011
Menschenbilder (7)
Aus dem im Spätherbst des Jahres 2011 erscheinenden reich bebilderten Buch "Menschenbilder aus der Harz- und Kyffhäuserregion" von Bodo Schwarzberg veröffentlicht die nnz in loser Folge eine Auswahl an Texten über Mitbürger, die er seit April 2010 zu ihrem Leben, ihrer Tätigkeit und deren gesellschaftlichen und persönlichen Hintergründen gesprochen hat.
23 Autohäuser in Mitteldeutschland und Niedersachsen
Helmut Peter sieht sich als ein Unternehmer zum Anfassen. Das erfährt der Besucher sehr bald, wenn er den gebürtigen Nordhäuser (26.10.1957) an seinem Stammsitz, dem 1993 eröffneten Mercedes-Benz-Autohaus Helmut Peter besucht. Als erstes fällt dem Gast auf, dass er den Kaffee für ihn höchstpersönlich serviert. Und bei dem sich anschließenden Gespräch offenbart sich dann nicht der Inhaber von 23 Autohäusern den man vielleicht erwartet, sondern ein ganz normaler Einwohner der Rolandstadt, der die Bodenhaftung trotz aller seiner Erfolge nicht verloren hat.
Ein unbesiegbarer Optimismus und eine unbändige Tatkraft bestimmen sein unternehmerisches Engagement, was seinen Niederschlag auch in zahlreichen Zeitungsartikeln und Fernsehbeiträgen findet und fand: Mut zum gesunden Risiko, Der Faktor Peter oder Mit Volldampf voraus steht in den Überschriften der Printmedien, aber auch Worte wie Ergebnisorientiert, Zug um Zug, Ich bilde nicht für die Straße aus und Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb.
500 Menschen in ganz Mitteldeutschland sorgen an der Seite ihres Chefs tagtäglich dafür, dass die Unternehmensgruppe Peter ihren herausragenden Platz in unserer Unternehmenslandschaft immer weiter ausbaut. Sie sind Helmut Peter ganz besonders wichtig: Wenn eine Mitarbeiterin zum Beispiel lobend sagt, Herr Peter hat den Frauentag erfunden, dann beschreibt sie damit am besten, wie sehr ihm deren Wohl am Herzen liegt.
Alljährlich lässt er sich für seine rund 100 Frauen etwas ganz Besonderes einfallen: Vor einem Jahr zum Beispiel überraschte er seine Mitarbeiterinnen mit einer Fahrt nach Erfurt, und zwar nicht nur, um ihnen einen angenehmen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen zu bescheren: Weil Helmut Peter Events liebt, weil er sich wohlfühlt, wenn sich seine Mitarbeiter wohlfühlen, lässt er sich für sie stets etwas Unvergessliches und Überraschendes einfallen: In Erfurt zum Beispiel organisierte er für die Frauen ein paar erlebnisreiche Stunden in der Kondomfabrik. Und in einem anderen Jahr mietete er einen ganzen Zug der Harzer Schmalspurbahnen, um gemeinsam mit seinen Frauen zum Brocken zu fahren.
Helmut Peter war ein ganz normaler Jugendlicher. Er besuchte die Theodor-Neubauer-Schule und die POS Salza und fuhr gern Moped, erst ein KR 50 und später ein S 50. Auch sein großes Interesse am Handwerk teilte er mit vielen Gleichaltrigen. Die Wurzeln für seinen beruflichen Werdegang sieht er im UTP-Unterricht, den er in der IFA verbrachte. Seine Lehre zum Kfz-Elektriker bei der einstigen PGH Gute Fahrt von 1974 bis 1976 jedoch sollte den entscheidenden Grundstein legen: Ich entdeckte mein Interesse vor allem an filigranen, eine hohe Genauigkeit erfordernden Tätigkeiten und hatte irgendwann das Ziel, aus dem, was mich umgab, etwas Leistungsfähigeres, Besseres zu machen, sagt er.
Nach dem Wehrdienst bei den Grenztruppen in Heiligenstadt kehrte er in die PGH zurück, und begann ganz in diesem Sinne gestaltend tätig zu werden: Gemeinsam mit dem heutigen Inhaber des Reifencenters Hause in der Freiherr-vom-Stein-Straße, Detlef Hause, brachte er die Elektro- und Motorradabteilung der Genossenschaft voran, was dazu führte, dass diese ihren Umsatz nach wenigen Jahren vervierfachen konnte. Damals gab es in Nordhausen drei Kfz-Elektrikbetriebe: Ich wollte aus unserer PGH die Nummer 1 machen, sagt er.
Die damals insbesondere mit der IFA ausgehandelten Garantie- und Lieferverträge beruhten mit auf seiner Initiative. Natürlich war das damals eine ganz andere, mit der Gegenwart nicht zu vergleichende Welt. Aber ich verstand, aus der Mangelwirtschaft das Bestmögliche herauszuholen!, betont der heutige Unternehmer. So lebte er, wie er sagt, das sozialistische Tauschgeschäft und schaffte es so, sich den Zugang zu selbst als unerreichbar geltenden Ersatzteilen zu organisieren. 20 Schlachtschweine lieferte er im Jahr gemeinsam mit seinem Vater an Menschen, die ihm auf diesem Gebiet weiterhelfen konnten: Ich wollte die Nummer 1 sein, und basta!, lacht er. Und: Ich hatte schon damals einen recht hohen Lebensstandard, und den wollte ich halten und ausbauen.
Aber natürlich stieß ein für sozialistische Verhältnisse ungewöhnlich initiativreicher PGH-Mitarbeiter auch auf Widerstände unter den Verantwortungsträgern des damaligen Systems. Als er kurz vor der Wende den stellvertretenden PGH-Vorsitz bekleidete und den Vorsitz anstrebte, ließ ihn zum Beispiel der CDU-Landtagsabgeordnete Primas wissen, dass er diesen Posten ohne einen Eintritt in die CDU garantiert nicht würde erreichen können. Diese Äußerung hat er dem noch heute politisch aktiven Primas bis heute nicht verziehen: Ich habe mich gegen diese Blockflöte durchgesetzt!, sagt er. Und auch heute noch sieht er sich eher als Sachwalter des erfolgreichen Unternehmertums denn als Mensch, der sich einer bestimmten politischen Richtung zuordnen lassen möchte: Ich bin weder schwarz noch gelb, grün oder rot. Ich bin für die Wirtschaft!, betont Helmut Peter.
Die Wende sah er unbedarft und ein wenig skeptisch. Viele Menschen in der ehemaligen DDR seien wie er durch den schönen, vom Westfernsehen in die Wohnzimmer vermittelten Schein der neuen Gesellschaft geblendet worden. Auch er habe sein Bild vom Westen nach 1989 zurechtrücken müssen. Natürlich erkannte ich das Gute an der Marktwirtschaft. Aber nach der Wende zogen viele Schmarotzer durch das Land, und haben in der ehemaligen DDR verbrannte Erde hinterlassen.
Im März 1990 wurde Helmut Peter tatsächlich zum Vorsitzenden der PGH Gute Fahrt gewählt. Sein Konzept, aus der Genossenschaft drei selbstständige Unternehmen zu generieren, stieß auf Zustimmung: Das noch heute bestehende Reifencenter Hause, der Wenkel-Boschdienst und die Wartburg / B 1000–Vertragswerkstatt (damals in der Zorgestraße 22 und in der Arnoldstraße), wurden eigenständig. Und letztere war die wirtschaftliche Keimzelle der einmaligen unternehmerischen Erfolgsgeschichte von Helmut Peter.
Drei Herren hat er während dieser Zeit das Glück seines Lebens zu verdanken: Dem Bad Sachsaer Bürgermeister Hermann Seifert, dem Rechtsanwalt und Notar Hans-Peter Thode und dem Chef eines Göttinger und Osteröder Entsorgungsfachbetriebes Frank Simon. Sie lernte er noch Ende 1989 auf eher unspektakuläre Weise kennen: Der damalige Mitarbeiter der Abteilung Verkehr beim Rat des Kreises Egon Scherwinski bat mich, mit ihm, sowie Michael Bodenlos aus Ellrich in meinen Lada nach Bad Sachsa zu fahren, um über die Schaffung neuer Grenzübergänge zu sprechen. In meinem Lada sah er einfach ein repräsentativeres Fahrzeug, als in seinem himmelblauen Zweitakter, denkt Helmut Peter zurück.
In Bad Sachsa traf er dann erstmals auf die drei Männer, die sein Leben verändern sollten. Diese Veränderung begann mit einem Satz von Frank Simon: Wenn Du Deine Arbeitskräfte behalten willst, dann eröffne ein Mercedes-Autohaus, sagte er. Der unschlagbare Vorteil des Konzernes lag in dessen breiter Aufstellung sowohl auf dem Gebiet der Personenkraftwagen, als auch bei zuverlässigen Nutzfahrzeugen unterschiedlichster Art und Größe. Vor allem auf Grund letzteren Fakts unterschrieb Helmut Peter am 01.04.1990 einen Werkstattvertrag mit Mercedes-Benz. Denn schließlich sah er im Osten einen gigantischen Bedarf bei LKWs.
In demselben Jahr schloss der Unternehmer dementsprechend einen Händlervertrag für die Standorte Nordhausen, Sondershausen und Eichsfeld ab. Damals war Helmut Peter einer von 52 ostdeutschen Mercedes-Vertretern, heute ist er der einzige von ihnen, der noch immer dabei ist und zugleich auf eine einmalige Expansion verweisen kann. Alle anderen wurden von Kapitalgebern aus dem Westen übernommen.
Durch seine segensreichen Kontakte zu den drei genannten Niedersachsen war es dem Nordhäuser gleich 1990 gelungen, über die Deutsche Bank Bad Sachsa einen Kredit von 2 Millionen D-Mark zu erhalten. 1,2 Mio. davon zahlte er nach einem bestimmten Schlüssel an die Mitglieder der einstigen PGH aus. Und auch das spricht für die Beliebtheit des Unternehmers Helmut Peter und von der Solidität seiner Unternehmensgruppe: 20 der ehemals 40 PGH-Beschäftigten stehen noch heute bei ihm in Lohn und Brot.
Zu einem weiteren wichtigen Partner während jener Tage wurde das Mercedes-Benz-Autohaus Bollmeyer in Goslar. Von den dort gewonnenen theoretischen und praktischen Kenntnissen für die Führung eines Autohauses habe ich ausgesprochen profitiert, sagt er. Und obwohl das Autohaus heute zu seinem eigenen Unternehmen gehört, sind die beiden Unternehmer bis zum heutigen Tag gute Freunde. Unter anderem wohl auch auf Grund der eigenen positiven Erfahrungen mit der Weiterbildung, räumt er ihr auch im eigenen Haus höchste Priorität ein. An immerhin sechs Arbeitstagen pro Jahr müssen sich die Mitarbeiter der Auffrischung und Vervollkommnung ihres Wissensstandes widmen.
Aber auch auf dem Gebiet der Ausbildung des handwerklichen und kaufmännischen Nachwuchses setzt Helmut Peter Maßstäbe. 90 Prozent der im Durchschnitt pro Jahr ausgebildeten 25 Lehrlinge dürfen im Unternehmen bleiben. Und viele der zielstrebigen jungen Leute kommen aus den alten Bundesländern. Ich verstehe mich als Chef einer gesamtdeutschen Firma. Die innere Einheit ist bei uns längst Realität, betont er.
Im Jahre 1992 fällte er die Entscheidung, das Nordhäuser Stammhaus neu zu bauen. 1997 folgten die Mercedes-Benz-Niederlassungen in Sondershausen und in Heilbad Heiligenstadt. Beide sind nicht nur baulich identisch, sondern auch der erste Spatenstich erfolgte am selben Tag im Februar 1996. 1997 wurden unter dem Namen Autohaus am Ring mit Peugeot auch erstmals Kraftfahrzeuge einer anderen Marke angeboten. Das Nordhäuser Autohaus von Udo Weißbeck wurde Teil der Unternehmensgruppe.
Für Helmut Peter hätte diese vielversprechende Entwicklung aber bereits ein Jahr später ein jähes Ende finden können. Denn von einst 242 deutschen Mercedes-Benz-Vertretungen überstanden ganze 92 die Elefantenhochzeit zwischen dem Daimler-Konzern und dem US-amerikanischen Hersteller Chrysler nicht. Doch der Nordhäuser Geschäftsmann ging gestärkt aus diesem Prozess hervor: Entweder wir werden gekauft, oder wir kaufen!, lautete seine Devise. Er aber gehörte zu den Käufern und integrierte 1999 die Bad Sachsaer Mercedes-Filiale von Eduard Bollmeyer in seine Unternehmensgruppe, zu der nun bereits fünf Autohäuser mit dem Stern gehörten.
Mancher mag denken, ich würde Autohäuser sammeln. Aber hinter jedem Kauf steckt viel Überlegung. Jeder hat seinen Sinn und jeder brachte uns weiter, sagt er. Und so waren die Ängste der aufgekauften Mitarbeiter stets unbegründet. Statt zu entlassen, stellte Helmut Peter ein, statt der befürchteten Umsatzeinbrüche generierte er Zuwächse, selbst negativsten Vorhersagen zur Marktentwicklung zum Trotz. Mut zu einem gesunden Risiko, nennt er das. Und nicht umsonst initiierte sich der Nordhäuser selbst als ein Mutmacher der Nation. Ja, ich will Mutmacher der Nation werden ist eine von ihm herausgegebene Broschüre überschrieben, in der er die Entwicklung seines Hauses von den Anfängen bis in die Gegenwart hinein beschreibt, und in der er seine Philosophie niedergelegt hat – mit dem erklärten Anliegen natürlich, auch anderen Mut zu machen.
Im Juni 2005 übergab Helmut Peter den gesamten Vertrieb an seinen Sohn Andreas Peter, vier Jahre später wurde er Geschäftsführer der gesamten Peter-Gruppe, die heute aus 23 Standorten in drei Bundesländern bzw. neun Landkreisen und der Landeshauptstadt Erfurt besteht, und mit insgesamt 12 Fahrzeugmarken handelt (Mercedes, Smart, Chrysler, Jeep, Dodge, Honda, Mitsubishi, Opel, Suzuki, Saab, Skoda und Peugeot). Andreas Peter hat weitreichende und intensive Erfahrung in der deutschen Autowelt gewinnen können, bevor ihn sein Vater mit dieser verantwortungsvollen Aufgabe betraute. Dass die Entscheidung von Helmut Peter richtig war, davon zeugt die Ehrung seines Sohnes mit dem Junior Award Kfz-Betrieb durch den Herausgeber des Organs des deutschen Kfz-Gewerbes.
Die Unternehmensgruppe gliedert sich heute in die Autohaus Peter GmbH, die Autozentrum Peter GmbH, die Automobile Peter GmbH und die Autohaus Peter & Uhley Verkauf und Service GmbH.
Als wichtiger Wirtschaftsfaktor und größtes in Nordthüringen ansässige Unternehmen, sind sie bzw. ihr Chef Helmut Peter ein gefragter Gesprächspartner, sowohl bei anderen Vertretern der Wirtschaft, als auch bei Politikern und Medien. Weil wir Erfolg haben, sind wir auch Meinungsbildner in Bezug auf die wirtschaftliche Situation in unserer Region, sagt er. Den früheren Thüringer Ministerpräsidenten Dieter Althaus zählt Helmut Peter zu seinen persönlichen Freunden. Aber auch dessen Nachfolgerin im Amt Christine Lieberknecht, stattete ihm bereits einen Besuch ab. In vielen Nachrichtensendungen und Printmedien wurde und wird über den Mutmacher und seine Unternehmensgruppe berichtet, was Events, wie den alljährlich im Nordhäuser Stammhaus stattfindenden Ärzteball und ein Frühlingsfest einschließt. Regelmäßig sind bei derartigen Veranstaltungen auch prominente Mitbürger zu Gast.
Auftritte weltbekannter Bands wie Boney M oder Vorträge von Sportstars, wie vom Weltschiedsrichter Dr. Markus Merk, ziehen immer wieder hunderte Gäste an.
Der vielfach ausgezeichnete Helmut Peter sieht sich als ein Unternehmer in Nordhausen und in Nordthüringen. Er sieht seine Verantwortung für das Gemeinwohl und nimmt diese bewusst und mit großzügigen Spenden wahr. Jedoch beklagt er das oftmals fehlende Bewusstsein bei den Politikern für die wirtschaftliche Bedeutung Nordhausens. Manchmal denke ich, die haben uns hier in Erfurt vergessen, sagt er. Ich wünsche mir für die Region Nordthüringen und die Menschen hier eine spürbare Belebung der Wirtschaft, einen sanften Tourismus, der auf Nachhaltigkeit setzt, und Perspektiven für eine Zukunft in der Heimat, schrieb er in einem Beitrag.
Aus seinen vielfältigen ehrenamtlichen Aktivitäten und Initiativen zum Wohle der Allgemeinheit seien an dieser Stelle nur jene in dem neunköpfigen Gremium Bürger und Polizei (Gründungsmitglied) und die Gründung des Nordhäuser Traktorenmuseums anlässlich seines 50. Geburtstages gemeinsam mit dem früheren Leiter der IFA-Berufsschule Achim Port, genannt.
Helmut Peter ist es seit Beginn seiner erfolgreichen unternehmerischen Tätigkeit ein Bedürfnis, vielfältige Aktivitäten und Veranstaltungen in Nordhausen finanziell zu unterstützen.
Das Buch wird vom Maler und Grafiker Klaus-Dieter Kerwitz (mit Grafiken) großzügig unterstützt.
Autor: nnzHelmut Peter
Autohaus Peter Gruppe23 Autohäuser in Mitteldeutschland und Niedersachsen
Helmut Peter sieht sich als ein Unternehmer zum Anfassen. Das erfährt der Besucher sehr bald, wenn er den gebürtigen Nordhäuser (26.10.1957) an seinem Stammsitz, dem 1993 eröffneten Mercedes-Benz-Autohaus Helmut Peter besucht. Als erstes fällt dem Gast auf, dass er den Kaffee für ihn höchstpersönlich serviert. Und bei dem sich anschließenden Gespräch offenbart sich dann nicht der Inhaber von 23 Autohäusern den man vielleicht erwartet, sondern ein ganz normaler Einwohner der Rolandstadt, der die Bodenhaftung trotz aller seiner Erfolge nicht verloren hat.
Ein unbesiegbarer Optimismus und eine unbändige Tatkraft bestimmen sein unternehmerisches Engagement, was seinen Niederschlag auch in zahlreichen Zeitungsartikeln und Fernsehbeiträgen findet und fand: Mut zum gesunden Risiko, Der Faktor Peter oder Mit Volldampf voraus steht in den Überschriften der Printmedien, aber auch Worte wie Ergebnisorientiert, Zug um Zug, Ich bilde nicht für die Straße aus und Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb.
500 Menschen in ganz Mitteldeutschland sorgen an der Seite ihres Chefs tagtäglich dafür, dass die Unternehmensgruppe Peter ihren herausragenden Platz in unserer Unternehmenslandschaft immer weiter ausbaut. Sie sind Helmut Peter ganz besonders wichtig: Wenn eine Mitarbeiterin zum Beispiel lobend sagt, Herr Peter hat den Frauentag erfunden, dann beschreibt sie damit am besten, wie sehr ihm deren Wohl am Herzen liegt.
Alljährlich lässt er sich für seine rund 100 Frauen etwas ganz Besonderes einfallen: Vor einem Jahr zum Beispiel überraschte er seine Mitarbeiterinnen mit einer Fahrt nach Erfurt, und zwar nicht nur, um ihnen einen angenehmen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen zu bescheren: Weil Helmut Peter Events liebt, weil er sich wohlfühlt, wenn sich seine Mitarbeiter wohlfühlen, lässt er sich für sie stets etwas Unvergessliches und Überraschendes einfallen: In Erfurt zum Beispiel organisierte er für die Frauen ein paar erlebnisreiche Stunden in der Kondomfabrik. Und in einem anderen Jahr mietete er einen ganzen Zug der Harzer Schmalspurbahnen, um gemeinsam mit seinen Frauen zum Brocken zu fahren.
Helmut Peter war ein ganz normaler Jugendlicher. Er besuchte die Theodor-Neubauer-Schule und die POS Salza und fuhr gern Moped, erst ein KR 50 und später ein S 50. Auch sein großes Interesse am Handwerk teilte er mit vielen Gleichaltrigen. Die Wurzeln für seinen beruflichen Werdegang sieht er im UTP-Unterricht, den er in der IFA verbrachte. Seine Lehre zum Kfz-Elektriker bei der einstigen PGH Gute Fahrt von 1974 bis 1976 jedoch sollte den entscheidenden Grundstein legen: Ich entdeckte mein Interesse vor allem an filigranen, eine hohe Genauigkeit erfordernden Tätigkeiten und hatte irgendwann das Ziel, aus dem, was mich umgab, etwas Leistungsfähigeres, Besseres zu machen, sagt er.
Nach dem Wehrdienst bei den Grenztruppen in Heiligenstadt kehrte er in die PGH zurück, und begann ganz in diesem Sinne gestaltend tätig zu werden: Gemeinsam mit dem heutigen Inhaber des Reifencenters Hause in der Freiherr-vom-Stein-Straße, Detlef Hause, brachte er die Elektro- und Motorradabteilung der Genossenschaft voran, was dazu führte, dass diese ihren Umsatz nach wenigen Jahren vervierfachen konnte. Damals gab es in Nordhausen drei Kfz-Elektrikbetriebe: Ich wollte aus unserer PGH die Nummer 1 machen, sagt er.
Die damals insbesondere mit der IFA ausgehandelten Garantie- und Lieferverträge beruhten mit auf seiner Initiative. Natürlich war das damals eine ganz andere, mit der Gegenwart nicht zu vergleichende Welt. Aber ich verstand, aus der Mangelwirtschaft das Bestmögliche herauszuholen!, betont der heutige Unternehmer. So lebte er, wie er sagt, das sozialistische Tauschgeschäft und schaffte es so, sich den Zugang zu selbst als unerreichbar geltenden Ersatzteilen zu organisieren. 20 Schlachtschweine lieferte er im Jahr gemeinsam mit seinem Vater an Menschen, die ihm auf diesem Gebiet weiterhelfen konnten: Ich wollte die Nummer 1 sein, und basta!, lacht er. Und: Ich hatte schon damals einen recht hohen Lebensstandard, und den wollte ich halten und ausbauen.
Aber natürlich stieß ein für sozialistische Verhältnisse ungewöhnlich initiativreicher PGH-Mitarbeiter auch auf Widerstände unter den Verantwortungsträgern des damaligen Systems. Als er kurz vor der Wende den stellvertretenden PGH-Vorsitz bekleidete und den Vorsitz anstrebte, ließ ihn zum Beispiel der CDU-Landtagsabgeordnete Primas wissen, dass er diesen Posten ohne einen Eintritt in die CDU garantiert nicht würde erreichen können. Diese Äußerung hat er dem noch heute politisch aktiven Primas bis heute nicht verziehen: Ich habe mich gegen diese Blockflöte durchgesetzt!, sagt er. Und auch heute noch sieht er sich eher als Sachwalter des erfolgreichen Unternehmertums denn als Mensch, der sich einer bestimmten politischen Richtung zuordnen lassen möchte: Ich bin weder schwarz noch gelb, grün oder rot. Ich bin für die Wirtschaft!, betont Helmut Peter.
Die Wende sah er unbedarft und ein wenig skeptisch. Viele Menschen in der ehemaligen DDR seien wie er durch den schönen, vom Westfernsehen in die Wohnzimmer vermittelten Schein der neuen Gesellschaft geblendet worden. Auch er habe sein Bild vom Westen nach 1989 zurechtrücken müssen. Natürlich erkannte ich das Gute an der Marktwirtschaft. Aber nach der Wende zogen viele Schmarotzer durch das Land, und haben in der ehemaligen DDR verbrannte Erde hinterlassen.
Im März 1990 wurde Helmut Peter tatsächlich zum Vorsitzenden der PGH Gute Fahrt gewählt. Sein Konzept, aus der Genossenschaft drei selbstständige Unternehmen zu generieren, stieß auf Zustimmung: Das noch heute bestehende Reifencenter Hause, der Wenkel-Boschdienst und die Wartburg / B 1000–Vertragswerkstatt (damals in der Zorgestraße 22 und in der Arnoldstraße), wurden eigenständig. Und letztere war die wirtschaftliche Keimzelle der einmaligen unternehmerischen Erfolgsgeschichte von Helmut Peter.
Drei Herren hat er während dieser Zeit das Glück seines Lebens zu verdanken: Dem Bad Sachsaer Bürgermeister Hermann Seifert, dem Rechtsanwalt und Notar Hans-Peter Thode und dem Chef eines Göttinger und Osteröder Entsorgungsfachbetriebes Frank Simon. Sie lernte er noch Ende 1989 auf eher unspektakuläre Weise kennen: Der damalige Mitarbeiter der Abteilung Verkehr beim Rat des Kreises Egon Scherwinski bat mich, mit ihm, sowie Michael Bodenlos aus Ellrich in meinen Lada nach Bad Sachsa zu fahren, um über die Schaffung neuer Grenzübergänge zu sprechen. In meinem Lada sah er einfach ein repräsentativeres Fahrzeug, als in seinem himmelblauen Zweitakter, denkt Helmut Peter zurück.
In Bad Sachsa traf er dann erstmals auf die drei Männer, die sein Leben verändern sollten. Diese Veränderung begann mit einem Satz von Frank Simon: Wenn Du Deine Arbeitskräfte behalten willst, dann eröffne ein Mercedes-Autohaus, sagte er. Der unschlagbare Vorteil des Konzernes lag in dessen breiter Aufstellung sowohl auf dem Gebiet der Personenkraftwagen, als auch bei zuverlässigen Nutzfahrzeugen unterschiedlichster Art und Größe. Vor allem auf Grund letzteren Fakts unterschrieb Helmut Peter am 01.04.1990 einen Werkstattvertrag mit Mercedes-Benz. Denn schließlich sah er im Osten einen gigantischen Bedarf bei LKWs.
In demselben Jahr schloss der Unternehmer dementsprechend einen Händlervertrag für die Standorte Nordhausen, Sondershausen und Eichsfeld ab. Damals war Helmut Peter einer von 52 ostdeutschen Mercedes-Vertretern, heute ist er der einzige von ihnen, der noch immer dabei ist und zugleich auf eine einmalige Expansion verweisen kann. Alle anderen wurden von Kapitalgebern aus dem Westen übernommen.
Durch seine segensreichen Kontakte zu den drei genannten Niedersachsen war es dem Nordhäuser gleich 1990 gelungen, über die Deutsche Bank Bad Sachsa einen Kredit von 2 Millionen D-Mark zu erhalten. 1,2 Mio. davon zahlte er nach einem bestimmten Schlüssel an die Mitglieder der einstigen PGH aus. Und auch das spricht für die Beliebtheit des Unternehmers Helmut Peter und von der Solidität seiner Unternehmensgruppe: 20 der ehemals 40 PGH-Beschäftigten stehen noch heute bei ihm in Lohn und Brot.
Zu einem weiteren wichtigen Partner während jener Tage wurde das Mercedes-Benz-Autohaus Bollmeyer in Goslar. Von den dort gewonnenen theoretischen und praktischen Kenntnissen für die Führung eines Autohauses habe ich ausgesprochen profitiert, sagt er. Und obwohl das Autohaus heute zu seinem eigenen Unternehmen gehört, sind die beiden Unternehmer bis zum heutigen Tag gute Freunde. Unter anderem wohl auch auf Grund der eigenen positiven Erfahrungen mit der Weiterbildung, räumt er ihr auch im eigenen Haus höchste Priorität ein. An immerhin sechs Arbeitstagen pro Jahr müssen sich die Mitarbeiter der Auffrischung und Vervollkommnung ihres Wissensstandes widmen.
Aber auch auf dem Gebiet der Ausbildung des handwerklichen und kaufmännischen Nachwuchses setzt Helmut Peter Maßstäbe. 90 Prozent der im Durchschnitt pro Jahr ausgebildeten 25 Lehrlinge dürfen im Unternehmen bleiben. Und viele der zielstrebigen jungen Leute kommen aus den alten Bundesländern. Ich verstehe mich als Chef einer gesamtdeutschen Firma. Die innere Einheit ist bei uns längst Realität, betont er.
Im Jahre 1992 fällte er die Entscheidung, das Nordhäuser Stammhaus neu zu bauen. 1997 folgten die Mercedes-Benz-Niederlassungen in Sondershausen und in Heilbad Heiligenstadt. Beide sind nicht nur baulich identisch, sondern auch der erste Spatenstich erfolgte am selben Tag im Februar 1996. 1997 wurden unter dem Namen Autohaus am Ring mit Peugeot auch erstmals Kraftfahrzeuge einer anderen Marke angeboten. Das Nordhäuser Autohaus von Udo Weißbeck wurde Teil der Unternehmensgruppe.
Für Helmut Peter hätte diese vielversprechende Entwicklung aber bereits ein Jahr später ein jähes Ende finden können. Denn von einst 242 deutschen Mercedes-Benz-Vertretungen überstanden ganze 92 die Elefantenhochzeit zwischen dem Daimler-Konzern und dem US-amerikanischen Hersteller Chrysler nicht. Doch der Nordhäuser Geschäftsmann ging gestärkt aus diesem Prozess hervor: Entweder wir werden gekauft, oder wir kaufen!, lautete seine Devise. Er aber gehörte zu den Käufern und integrierte 1999 die Bad Sachsaer Mercedes-Filiale von Eduard Bollmeyer in seine Unternehmensgruppe, zu der nun bereits fünf Autohäuser mit dem Stern gehörten.
Mancher mag denken, ich würde Autohäuser sammeln. Aber hinter jedem Kauf steckt viel Überlegung. Jeder hat seinen Sinn und jeder brachte uns weiter, sagt er. Und so waren die Ängste der aufgekauften Mitarbeiter stets unbegründet. Statt zu entlassen, stellte Helmut Peter ein, statt der befürchteten Umsatzeinbrüche generierte er Zuwächse, selbst negativsten Vorhersagen zur Marktentwicklung zum Trotz. Mut zu einem gesunden Risiko, nennt er das. Und nicht umsonst initiierte sich der Nordhäuser selbst als ein Mutmacher der Nation. Ja, ich will Mutmacher der Nation werden ist eine von ihm herausgegebene Broschüre überschrieben, in der er die Entwicklung seines Hauses von den Anfängen bis in die Gegenwart hinein beschreibt, und in der er seine Philosophie niedergelegt hat – mit dem erklärten Anliegen natürlich, auch anderen Mut zu machen.
Im Juni 2005 übergab Helmut Peter den gesamten Vertrieb an seinen Sohn Andreas Peter, vier Jahre später wurde er Geschäftsführer der gesamten Peter-Gruppe, die heute aus 23 Standorten in drei Bundesländern bzw. neun Landkreisen und der Landeshauptstadt Erfurt besteht, und mit insgesamt 12 Fahrzeugmarken handelt (Mercedes, Smart, Chrysler, Jeep, Dodge, Honda, Mitsubishi, Opel, Suzuki, Saab, Skoda und Peugeot). Andreas Peter hat weitreichende und intensive Erfahrung in der deutschen Autowelt gewinnen können, bevor ihn sein Vater mit dieser verantwortungsvollen Aufgabe betraute. Dass die Entscheidung von Helmut Peter richtig war, davon zeugt die Ehrung seines Sohnes mit dem Junior Award Kfz-Betrieb durch den Herausgeber des Organs des deutschen Kfz-Gewerbes.
Die Unternehmensgruppe gliedert sich heute in die Autohaus Peter GmbH, die Autozentrum Peter GmbH, die Automobile Peter GmbH und die Autohaus Peter & Uhley Verkauf und Service GmbH.
Als wichtiger Wirtschaftsfaktor und größtes in Nordthüringen ansässige Unternehmen, sind sie bzw. ihr Chef Helmut Peter ein gefragter Gesprächspartner, sowohl bei anderen Vertretern der Wirtschaft, als auch bei Politikern und Medien. Weil wir Erfolg haben, sind wir auch Meinungsbildner in Bezug auf die wirtschaftliche Situation in unserer Region, sagt er. Den früheren Thüringer Ministerpräsidenten Dieter Althaus zählt Helmut Peter zu seinen persönlichen Freunden. Aber auch dessen Nachfolgerin im Amt Christine Lieberknecht, stattete ihm bereits einen Besuch ab. In vielen Nachrichtensendungen und Printmedien wurde und wird über den Mutmacher und seine Unternehmensgruppe berichtet, was Events, wie den alljährlich im Nordhäuser Stammhaus stattfindenden Ärzteball und ein Frühlingsfest einschließt. Regelmäßig sind bei derartigen Veranstaltungen auch prominente Mitbürger zu Gast.
Auftritte weltbekannter Bands wie Boney M oder Vorträge von Sportstars, wie vom Weltschiedsrichter Dr. Markus Merk, ziehen immer wieder hunderte Gäste an.
Der vielfach ausgezeichnete Helmut Peter sieht sich als ein Unternehmer in Nordhausen und in Nordthüringen. Er sieht seine Verantwortung für das Gemeinwohl und nimmt diese bewusst und mit großzügigen Spenden wahr. Jedoch beklagt er das oftmals fehlende Bewusstsein bei den Politikern für die wirtschaftliche Bedeutung Nordhausens. Manchmal denke ich, die haben uns hier in Erfurt vergessen, sagt er. Ich wünsche mir für die Region Nordthüringen und die Menschen hier eine spürbare Belebung der Wirtschaft, einen sanften Tourismus, der auf Nachhaltigkeit setzt, und Perspektiven für eine Zukunft in der Heimat, schrieb er in einem Beitrag.
Aus seinen vielfältigen ehrenamtlichen Aktivitäten und Initiativen zum Wohle der Allgemeinheit seien an dieser Stelle nur jene in dem neunköpfigen Gremium Bürger und Polizei (Gründungsmitglied) und die Gründung des Nordhäuser Traktorenmuseums anlässlich seines 50. Geburtstages gemeinsam mit dem früheren Leiter der IFA-Berufsschule Achim Port, genannt.
Helmut Peter ist es seit Beginn seiner erfolgreichen unternehmerischen Tätigkeit ein Bedürfnis, vielfältige Aktivitäten und Veranstaltungen in Nordhausen finanziell zu unterstützen.
Das Buch wird vom Maler und Grafiker Klaus-Dieter Kerwitz (mit Grafiken) großzügig unterstützt.