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Fr, 14:45 Uhr
16.12.2011

nnz-Bücherkiste: Ein großer Knaller

Krimis aus Skandinavien gibt es inzwischen so viele wie Wellen am Skagerag. Aber auch die skurrilen schwarzhumorigen Geschichten aus dem hohen Norden nehmen konstant zu. Darüber freut sich Olaf Schulze, der für die nnz ein solches Buch las.

Jonas Jonasson
"Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand"
(carl's books)

roman (Foto: verlag) roman (Foto: verlag)
Der Debütroman eines Journalisten schlug in Schweden ein wie eine Bombe und begibt sich nun auf die Reise um die Welt. Das hat auch der Romanheld Allan Karlsson getan, allerdings schon vor langer Zeit, denn er ist einhundert Jahre alt. Ach, und von Bomben hat er auch viel Ahnung. Eigentlich ist es das Einzige, was er richtig kann Detonationen erzeugen.

Doch bevor uns Jonas Jonasson davon erzählt, begleiten wir den rüstigen Senioren Allan aus dem Fenster seines Pflegeheims hinaus in eine raue Wirklichkeit und auf den Weg durch seine schwedische Heimat. Allerdings ist der schon bald von Leichen gepflastert. Kein Wunder, da Allan doch plötzlich Besitzer eines Koffers mit 50 Mio Kronen ist, den eine ganze Bande Ganoven wieder haben möchte. Aber Allan lernt auch Menschen kennen, die wohl alle skurril, aber durchweg sympathisch sind.

Was sich hier anlässt wie der neuste Chaos-Streich des finnischen Erfolgsautors Arto Paasilinna wird von Jonasson genial gebrochen, wenn er Allan aus seinem Leben erzählen läßt, das eine kurze Dia-Show des 20. Jahrhunderts und seiner politischen Protagonisten ist. Mit denen unser Held letztendlich immer gegessen und meistens auch viel getrunken hat. Außer mit Stalin, der läßt ihn schon während des Dinners einsperren, weil es kleinere Meinungsverschiedenheiten über die Qualität schwedischer Lyrik, speziell aber deren Verfasser zwischen Allan und dem Generalissimo gab. Und so ein Despot sitzt ja irgendwie immer am längeren Hebel. Aber mit dem Diktator Franco, Mao tse Tung, Kim Il Sung, Präsident Truman und General de Gaulle versteht er sich prächtig. Und er verhilft der Menschheit zu einer höchst umstrittenen Erfindung, die alle Mächtigen wollen, aber niemand wirklich gebraucht hätte - die Atombombe.

Der frisch-freche, ungeheuer dynamische Roman "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" erzählt neben einem spannenden Roadmovie mit Elefanten en passant die Geschichte des 20. Jahrhunderts aus der Sicht eines bauernschlauen Schweden, der immer mal wieder an den Brennpunkten der Entwicklung auftaucht und unbedarft in den Weltenlauf eingreift.

Das erinnert den Leser stellenweise an Forrest Gump, aber auch an die Olsenbande und Umberto Ecos augenzwinkernde Geschichtsstunden um Schein und sein. Was nehmen die nur ein in Skandinavien, dass immer wieder solche literarischen Talente wie dieser Jonasson hervorkommen?
OLAF SCHULZE
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