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Do, 00:30 Uhr
26.01.2012

Chancen nutzen - Wandel gestalten

Die SPD-Bundestagsfraktion will über den demografischen Wandel neu nachdenken und Antworten finden. Zu einem Gespräch war auch ein SPD-Urgestein gestern nach Sondershausen gekommen, Franz Müntefering...

Die SPD-Kreisvorsitzende Cornelia Kraffzick und SPD Bundestagsmitglied Steffen Claudio Lemme begrüßten die zahlreichen Gäste, die zu dieser Podiumsdiskussion in den Carl-Schroeder-Saal von Sondershausen gekommen waren. Es waren aber nicht nur Genossen der SPD gekommen, auch etliche Gesichter anderer Parteien waren kn aufgefallen. Und auch Nordhäuser, wie der Chef der Arbeitsagentur, Karsten Froböse, waren zu erkennen.

Wie können unsere heutigen Vorstellungen von Wohnen, Arbeiten und Bildung an die Bedürfnisse des Älterwerdens angepasst werden? Wie lassen sich Familienbande und Nachbarschaften in einer mobilen und individualisierten Gesellschaft neu knüpfen? Was kann Gesundheitsvorsorge dazu beitragen, um bis ins hohe Alter fit zu bleiben?

Chancen nutzen - Wandel gestalten (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Diese Fragen und weiteren wurden im Vorfeld gestellt und Franz Müntefering versuchte in einem Impulsreferat einige dieser Fragen zu klären. Eines machte er aber von Anfang an klar, nur mit Gesetzen alleine lassen sich die Auswirkungen des demografischen Wandels nicht lösen. Hier sind die Menschen selbst gefragt und die Politiker vor Ort. Dabei forderte er die Kommunen praktisch auf, in vielen Dingen mehr zusammenzuarbeiten.

Vor dem demografischen Wandel muss man keine Angst haben, so Müntefering, der Wandel kann auch Chancen eröffnen. Er dachte hier insbesondere daran, dass wegen des drohenden Arbeitskräftemangels auch ältere Menschen wieder bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben werden, und auch Jugendlichen bieten sich bessere Möglichkeiten in der Ausbildung.

Chancen nutzen - Wandel gestalten (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Mit Sicherheit konnte und wollte Müntefering keine fertigen Lösungen bieten, aber er wollte zumindest auf Lösungsansätze hinweisen. Eines machte er grundsätzlich aber klar, und bekam dafür viel Beifall:
Es gibt nichts besseres als das Solidarprinzip, ob im Gesundheitswesen oder auch auf dem Arbeitsmarkt.

Welche Ziele und Handlungsfelder hat er genannt? Mehr Kinder wären sicher interessant, aber auch nicht so schnell "wirksam". Ziel muss es sein, allen Kindern und Jugendlichen gleiche Chancen einräumen. Er dachte hier an die rund 60.000 Schulabbrecher im Jahr, die praktisch schon ein Reservoir für Harzt IV darstellen. Erforderte den Ausbau der ganztägigen Kinderbetreuung. Scharfe Kritik von ihm kam in Richtung Regierung und dem Betreuungsgeld.

Ein weiteres Feld so Müntefering sei die Unterstützung von Familien. Er forderte, mehr Ordnung in den Arbeitsmarkt zu bringen. Viele Menschen kommen wegen der auseinanderliegende Arbeitsplätze immer öfter zu keiner festen Paarbindung mehr.

Er forderte auch, die Fachkräftepotentiale besser auszuschöpfen. Frauen müsste bessere Chancen bekommen und ältere Arbeitnehmer nicht zu früh aus dem Arbeitsleben zu führen. Hier mahnte er für bestimmte Berufe individuelle Lösungen an.

Chancen nutzen - Wandel gestalten (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ein wichtiger Punkt sei aber auch, so Müntefering, ein aktives Altern zu ermöglichen. Er mahnte an, keinen Generationenkonflikt herbeizureden. "Wir sitzen alle in einem Boot". Wichtig, so Müntefering weiter, es müsse eine lebenswerte und solidarische Gemeinschaft geschaffen werden in dem auch die älteren Menschen einbezogen werden.

Mit Sicherheit brachte der gestrige Abend einige interessante Aspekte ans Licht, die Diskussion zeigte aber auch, dass die Meinungen nicht unbedingt konform gehen, wie einige diskutierte Beispiele aus dem Vergleich mit der Arbeitswelt von Frankreich. Aber dieser Abend sollte ja auch erst mal zur Diskussion anregen, was sicher erreicht wurde. Ob sich das alles so realisieren wird, steht auf einem anderen Blatt.

Zum Abschluss noch einige interessante Zahlen. Wenn Deutschland zurzeit rund 81 Millionen Einwohner hat, so werden es im Jahre 2050 nur noch 65 bis 70 Millionen sein, aber unter der Voraussetzung von Netto 200.000 Einwanderern pro Jahr. Wenn die nicht kommen, wird es wohl unter die 63 Millionen Marke gehen. Wobei, so Müntefering, nicht die Einwohnerzahl entscheidend sei, sondern die passende Altersstruktur.

Wenn früher sechs Werktätige einen Rentner „ernährten“ so wird das Verhältnis im Jahre 2050 bei 1,5 zu 1 liegen. Dieser Herausforderung an die Sozialsysteme muss man sich dann stellen.
Chancen nutzen - Wandel gestalten (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Chancen nutzen - Wandel gestalten (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Chancen nutzen - Wandel gestalten (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Chancen nutzen - Wandel gestalten (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Chancen nutzen - Wandel gestalten (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Chancen nutzen - Wandel gestalten (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
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