Di, 10:02 Uhr
20.03.2012
Irreführung nicht ausgeschlossen
Hersteller von Babynahrung sind nicht mehr nur auf Säuglinge spezialisiert. In den letzten Jahren wurden für Kleinkinder, also Kinder zwischen ein und drei Jahren, eigene Produktreihen kreiert. Diese werden als Beikost vermarktet und mit gesundheitsbezogenen Angaben beworben. Doch bieten sie den versprochenen Mehrwert tatsächlich und ist die Kennzeichnung eindeutig und verständlich...
In einem Marktcheck haben die Verbraucherzentralen das Angebot an Beikost untersucht. Zur Beikost zählen alle Lebensmittel, die zur Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern während der Entwöhnungszeit von Säuglings-milch und zur allmählichen Umstellung auf eine normale Kost bestimmt sind.
Das Ergebnis des Marktchecks: Trinkbreie, Milchdesserts, Smoothies, Fruchtpürees, Menüs, Früchte- und Getreideriegel - fast alle Produkte werben mit gesundheitsbezogenen Angaben und suggerieren, besonders geeignet zu sein für ein- bis dreijährige Kinder. Zum Beispiel die Früchte- und Getreideriegel: Auf 9 von 14 untersuchten Riegeln von 5 Firmen steht groß ohne Zuckerzusatz oder hoher Fruchtanteil. Dennoch bestehen die Riegel zu einem Drittel bis zur Hälfte aus Zucker, erklärt Petra Müller, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Thüringen.
Denn die enthaltenen Früchte enthalten von Natur aus viel Zucker. Mit einem einzigen Riegel (25 Gramm) isst das Kleinkind schon mehr als 12 Gramm Zucker. Das entspricht 4 Stück Würfelzucker! Zwar tragen die meisten Riegel einen Hinweis Zutaten enthalten von Natur aus Zucker, aber diesen nur versteckt in der Verpackungsfalz und kleingedruckt im Fließtext. Hingegen fallen die Schlagworte ohne Zuckerzusatz und Früchte sofort ins Auge. Mit fröhlichen Farben und Figuren wird geworben, beispielsweise mit köstlich fruchtig und gesund – ideal für zwischendurch oder für kleine Feinschmecker, die gern Fruchtiges ohne Zuckerzusatz naschen. Doch tatsächlich sind die Riegel nichts weiter als Süßigkeiten und damit nicht besser oder schlechter als vergleichbare Produkte ohne die Altersangabe ab 1 Jahr oder 1-3 Jahre.
Zusätzlich werden Kleinkinderlebensmittel oft noch extra angereichert um Eltern zu einzureden, dass sie für die Ernährung ihrer Kinder besser geeignet seien als herkömmliche Lebensmittel. Tatsächlich sind Nutzen und Notwendigkeit der Anreicherung umstritten, stellt Petra Müller klar. Kleinkinder benötigen zum gesunden Aufwachsen keine speziellen Lebensmittel und können und sollten ab dem 10. Lebensmonat an die normale Familienkost herangeführt werden.
Die Verbraucherzentrale Thüringen fordert: So lange diese Produkte als diätetische Lebensmittel und damit als besonders geeignet für Kleinkinder vermarktet werden dürfen, muss ihre Eignung für diese Verbrauchergruppe besonders geprüft werden.
Autor: nnzIn einem Marktcheck haben die Verbraucherzentralen das Angebot an Beikost untersucht. Zur Beikost zählen alle Lebensmittel, die zur Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern während der Entwöhnungszeit von Säuglings-milch und zur allmählichen Umstellung auf eine normale Kost bestimmt sind.
Das Ergebnis des Marktchecks: Trinkbreie, Milchdesserts, Smoothies, Fruchtpürees, Menüs, Früchte- und Getreideriegel - fast alle Produkte werben mit gesundheitsbezogenen Angaben und suggerieren, besonders geeignet zu sein für ein- bis dreijährige Kinder. Zum Beispiel die Früchte- und Getreideriegel: Auf 9 von 14 untersuchten Riegeln von 5 Firmen steht groß ohne Zuckerzusatz oder hoher Fruchtanteil. Dennoch bestehen die Riegel zu einem Drittel bis zur Hälfte aus Zucker, erklärt Petra Müller, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Thüringen.
Denn die enthaltenen Früchte enthalten von Natur aus viel Zucker. Mit einem einzigen Riegel (25 Gramm) isst das Kleinkind schon mehr als 12 Gramm Zucker. Das entspricht 4 Stück Würfelzucker! Zwar tragen die meisten Riegel einen Hinweis Zutaten enthalten von Natur aus Zucker, aber diesen nur versteckt in der Verpackungsfalz und kleingedruckt im Fließtext. Hingegen fallen die Schlagworte ohne Zuckerzusatz und Früchte sofort ins Auge. Mit fröhlichen Farben und Figuren wird geworben, beispielsweise mit köstlich fruchtig und gesund – ideal für zwischendurch oder für kleine Feinschmecker, die gern Fruchtiges ohne Zuckerzusatz naschen. Doch tatsächlich sind die Riegel nichts weiter als Süßigkeiten und damit nicht besser oder schlechter als vergleichbare Produkte ohne die Altersangabe ab 1 Jahr oder 1-3 Jahre.
Zusätzlich werden Kleinkinderlebensmittel oft noch extra angereichert um Eltern zu einzureden, dass sie für die Ernährung ihrer Kinder besser geeignet seien als herkömmliche Lebensmittel. Tatsächlich sind Nutzen und Notwendigkeit der Anreicherung umstritten, stellt Petra Müller klar. Kleinkinder benötigen zum gesunden Aufwachsen keine speziellen Lebensmittel und können und sollten ab dem 10. Lebensmonat an die normale Familienkost herangeführt werden.
Die Verbraucherzentrale Thüringen fordert: So lange diese Produkte als diätetische Lebensmittel und damit als besonders geeignet für Kleinkinder vermarktet werden dürfen, muss ihre Eignung für diese Verbrauchergruppe besonders geprüft werden.