Mo, 19:24 Uhr
02.04.2012
Konzert der Überraschungen
Mit Mount Washington hatte sich eine norwegische Band am Kyffhäuser vorgestellt. Fred Böhme vom Panoramamuseum hat für Sie hinein gehört...
Am vergangenen Freitagabend (30.3.) bot die norwegische Band MOUNT WASHINGTON ihren etwa 80 Gästen ein interessantes Konzert, das vom Publikum sehr positiv aufgenommen wurde. MOUNT WASHINGTON sind: Rune Simonsen - Gesang und E-Gitarre; Esko Pedersen - Drums; Andreas H?yer - Bass, backing vocals und Adi Zukanovic - Keybords, backing vocals. Die Kreativköpfe der Band sind unbestritten Rune und Andreas, die auch für die Mehrzahl der Songs verantwortlich sind. Auftaktstück war der erste Song ihrer inzwischen 4. CD, die schlicht unter dem Bandnamen erschien, "How Does it Feel" und gleich hier waren die neuen Koordinaten ihrer Musik zu spüren, die da wären:
Erstens der prägnante, schöne Gesang von Frontmann Rune, der über eine hohe Stimme verfügt und die Stücke engagiert mit etwas Pathos vorträgt und dabei Assoziationen weckt an den Leadgesang von Bands wie Aha oder Simply Red. Eine Besucherin fühlte sich gar in einem Stück an Jim Morrison von den Doors erinnert.
Zweitens der Keyboardteppich aus verschiedensten Sounds, die in Richtung Electronica weisen und erstmals auf ihrer 3. CD "Rouge/Noir" anklangen, dort allerdings noch eher zaghaft und dazu das perlende Gitarrenspiel.
Und drittens das stoisch-gradlinige Rhythmusfundament, das vor allem durch das Bassdrumspiel im Herzschlagrhythmus dominiert wurde und mal treibend dann wieder monoton erschien.
Bereits hier war das teilweise Auseinanderdriften des eher arhythmischen Gesangs und des durch den treibenden Groove akzentuierten Klangteppichs aus stark hallbetonten Gitarrenspiel und der Keyboardklangwolke auffällig gewesen. Als ausschließlichen Kenner ihrer ersten beiden Scheiben "A New Order Rising" und "Astral Sky" war ich anfänglich etwas irritiert und vermisste die klarere Struktur und die Prägnanz der Melodien ihrer früheren Songs. Das zweite Stück des Abends und ihrer aktuellen Veröffentlichung "Silver Screen" variierte den Rhythmus geringfügig, der allerdings auch hier eher nach Beatbox als nach menschlichem Schlagzeuger klang und in der abgespeckteren Livebesetzung auf der Bühne direkter, allerdings auch wohltuend luftiger klang als in der CD-Version und somit Runes Gesang mehr Raum gab. Für mich war das dennoch etwas gewöhnungsbedürftig, da konnte ich mir zig mal sagen, dass diese jungen Norweger nun in Berlin lebend, ihre dortigen Diskothekenerfahrungen kreativ verarbeitet haben. Erst das dritte Stück des Abends "Appendix 1: As Waves Shape the Sea" atmete wieder diese amerikanisch anmutende Weite des Erstlings, stammte aber tatsächlich von ihrer vorletzten CD. Runes Gesang erinnerte hier anfänglich wirklich an Jim Morrison oder den frühen Tim Buckley.
Hatte man sich erst einmal auf diese Andersartigkeit ihrer Musik eingestellt, entwickelte sie eine eigenartige Sogwirkung, der man sich nur schlecht entziehen konnte, wobei neben dem Gesang vor allem das engagierte Keyboardspiel des Bandkükens Adi auffiel, der in erstaunlicher Weise von einem zum anderen Instrument wechselte und dem man die Freude an gelungenen Sounds förmlich ansah. Hört man sich die verschiedenen CD-Veröffentlichungen der Band nach einander an, so kann man ihren zum Teil erstaunlichen stilistischen Wandel sehr schön nachvollziehen. Angesichts ihrer Experimentierfreude darf man gespannt sein, wohin bei ihnen als nächstes die musikalische Reise geht.
Das anfangs etwas zurückhaltende Publikum taute immer mehr auf und dankte den sympathischen Musikern zunehmend mit stürmischem Applaus. Dafür verantwortlich waren sicher vor allem diese älteren, klarer strukturierten und sich somit leichter erschließenden Stücke wie "Walking Man", das hier quirliger, voranstürmender präsentiert wurde als auf ihrem CD-Debüt und vor allem dieses treibende "Vaults", womit sie den Konzertabend furios beendeten. Fazit: Es war ein Konzert mit einer sehr experimentierfreudigen jungen Band mit großem Potential, das selbst das größtenteils nicht mehr so ganz junge Publikum im Panorama Museum zu begeistern im Stande war.
Text und Foto: Fred Böhme
Archiv Panorama Museum
Autor: khhAm vergangenen Freitagabend (30.3.) bot die norwegische Band MOUNT WASHINGTON ihren etwa 80 Gästen ein interessantes Konzert, das vom Publikum sehr positiv aufgenommen wurde. MOUNT WASHINGTON sind: Rune Simonsen - Gesang und E-Gitarre; Esko Pedersen - Drums; Andreas H?yer - Bass, backing vocals und Adi Zukanovic - Keybords, backing vocals. Die Kreativköpfe der Band sind unbestritten Rune und Andreas, die auch für die Mehrzahl der Songs verantwortlich sind. Auftaktstück war der erste Song ihrer inzwischen 4. CD, die schlicht unter dem Bandnamen erschien, "How Does it Feel" und gleich hier waren die neuen Koordinaten ihrer Musik zu spüren, die da wären:
Erstens der prägnante, schöne Gesang von Frontmann Rune, der über eine hohe Stimme verfügt und die Stücke engagiert mit etwas Pathos vorträgt und dabei Assoziationen weckt an den Leadgesang von Bands wie Aha oder Simply Red. Eine Besucherin fühlte sich gar in einem Stück an Jim Morrison von den Doors erinnert.
Zweitens der Keyboardteppich aus verschiedensten Sounds, die in Richtung Electronica weisen und erstmals auf ihrer 3. CD "Rouge/Noir" anklangen, dort allerdings noch eher zaghaft und dazu das perlende Gitarrenspiel.
Und drittens das stoisch-gradlinige Rhythmusfundament, das vor allem durch das Bassdrumspiel im Herzschlagrhythmus dominiert wurde und mal treibend dann wieder monoton erschien.
Bereits hier war das teilweise Auseinanderdriften des eher arhythmischen Gesangs und des durch den treibenden Groove akzentuierten Klangteppichs aus stark hallbetonten Gitarrenspiel und der Keyboardklangwolke auffällig gewesen. Als ausschließlichen Kenner ihrer ersten beiden Scheiben "A New Order Rising" und "Astral Sky" war ich anfänglich etwas irritiert und vermisste die klarere Struktur und die Prägnanz der Melodien ihrer früheren Songs. Das zweite Stück des Abends und ihrer aktuellen Veröffentlichung "Silver Screen" variierte den Rhythmus geringfügig, der allerdings auch hier eher nach Beatbox als nach menschlichem Schlagzeuger klang und in der abgespeckteren Livebesetzung auf der Bühne direkter, allerdings auch wohltuend luftiger klang als in der CD-Version und somit Runes Gesang mehr Raum gab. Für mich war das dennoch etwas gewöhnungsbedürftig, da konnte ich mir zig mal sagen, dass diese jungen Norweger nun in Berlin lebend, ihre dortigen Diskothekenerfahrungen kreativ verarbeitet haben. Erst das dritte Stück des Abends "Appendix 1: As Waves Shape the Sea" atmete wieder diese amerikanisch anmutende Weite des Erstlings, stammte aber tatsächlich von ihrer vorletzten CD. Runes Gesang erinnerte hier anfänglich wirklich an Jim Morrison oder den frühen Tim Buckley.
Hatte man sich erst einmal auf diese Andersartigkeit ihrer Musik eingestellt, entwickelte sie eine eigenartige Sogwirkung, der man sich nur schlecht entziehen konnte, wobei neben dem Gesang vor allem das engagierte Keyboardspiel des Bandkükens Adi auffiel, der in erstaunlicher Weise von einem zum anderen Instrument wechselte und dem man die Freude an gelungenen Sounds förmlich ansah. Hört man sich die verschiedenen CD-Veröffentlichungen der Band nach einander an, so kann man ihren zum Teil erstaunlichen stilistischen Wandel sehr schön nachvollziehen. Angesichts ihrer Experimentierfreude darf man gespannt sein, wohin bei ihnen als nächstes die musikalische Reise geht.
Das anfangs etwas zurückhaltende Publikum taute immer mehr auf und dankte den sympathischen Musikern zunehmend mit stürmischem Applaus. Dafür verantwortlich waren sicher vor allem diese älteren, klarer strukturierten und sich somit leichter erschließenden Stücke wie "Walking Man", das hier quirliger, voranstürmender präsentiert wurde als auf ihrem CD-Debüt und vor allem dieses treibende "Vaults", womit sie den Konzertabend furios beendeten. Fazit: Es war ein Konzert mit einer sehr experimentierfreudigen jungen Band mit großem Potential, das selbst das größtenteils nicht mehr so ganz junge Publikum im Panorama Museum zu begeistern im Stande war.
Text und Foto: Fred Böhme
Archiv Panorama Museum

