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Di, 11:24 Uhr
06.11.2012

An Streik erinnern

2013 ist es 20 Jahre her, dass Kali-Kumpel in Bischofferode mit einem Hungerstreik gegen die Schließung ihrer Gruben protestierten. Daran soll bereits ab morgen in Bischofferode erinnert werden...


Im Hinblick auf diesen Jahrestag veranstaltet die Evangelische Akademie Thüringen vom 7. bis 9. November 2012 dazu Projekttage mit Schülerinnen und Schülern (9. Klasse) der Regelschule Bischofferode.

Der 81 Tage andauernde Hungerstreik der Kali-Kumpel sorgte damals bundesweit für Aufsehen. Politiker aller Parteien gaben sich die Klinke in die Hand, prominente Schriftsteller und Musiker kamen zu Solidaritätsbekundungen nach Bischofferode. Dennoch wurde das Kaliwerk "Thomas Müntzer" am 31. Dezember 1993 geschlossen.

"Die Geschehnisse um die Kaligruben haben ihre Wurzeln und ihre Geschichte in der DDR und in der Zeit der Umbrüche nach der friedlichen Revolution. Wir wollen mit Jugendlichen diese Geschichte aus Quellen und den Biografien verschiedener damaliger Akteure rekonstruieren", so Jürgen Reifarth, Studienleiter an der Evangelischen Akademie Thüringen. "Solch ein Ereignis der lokalen Zeitgeschichte bietet gute Möglichkeiten, Jugendliche für die Geschichte vor Ort zu begeistern, ihre Identifikation mit der Region zu befördern und spannende Gespräche zwischen den Generationen zu initiieren."

Während der Projekttage stehen zwei Zeitzeugengespräche auf dem Programm: mit einem Kumpel, der damals im Hungerstreik war und mit dem ehemaligen Ortspfarrer. Die Gespräche werden von den Schülerinnen und Schülern anhand historischer Akten, Bild- und Tonmaterialien selbst vorbereitet und durchgeführt.

Dabei gehe es um Fragen wie: Was ist bei den Zeitzeugen dort nach 20 Jahren an Erinnerung präsent? Wie hat der Umbruch die Beteiligten geprägt? Welche Umbrüche musste eine Gemeinde wie Bischofferode in den letzten Jahrzehnten nach der Wende bewältigen? Was bewirkten damals der Widerstand bzw. die Anpassung?

Die Projekttage sind eingebettet in das Bundesprogramm "Zusammenhalt durch Teilhabe" des Bundesinnenministeriums.

Hintergrund: Der Kaliabbau war zu DDR-Zeiten in der Region um Nordhausen ein wichtiger Industriezweig, der Kali-Export eine bedeutende Devisenquelle. Im Zuge der Fusion der west- und ostdeutschen Kali-Industrie nach 1990 sollten von zehn Kali-Gruben im Osten nur drei erhalten bleiben. Das Kaliwerk "Thomas Müntzer" in Bischofferode, so wurde im Dezember 1992 verkündet, gehöre nicht dazu.

Nachdem der Treuhandausschuss des Bundestages im Juli 1993 der Kalifusion zugestimmt hatte, beschlossen zwölf Kumpel in einen unbefristeten Hungerstreik zu treten. Die Schließung konnte damit nicht aufgehalten werden, der Arbeitskampf erregte aber überregionale Aufmerksamkeit ("Bischofferode ist überall!"). Die damals noch etwa 700 Mitarbeiter des Werkes wurden entweder mit einer Abfindung entlassen oder bekamen eine mindestens zweijährige Anstellung bei einer Stilllegungsgesellschaft.
Autor: nnz

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