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Mi, 22:27 Uhr
27.01.2016
Geschichten, die das Leben schreibt

Als Maurer noch mit Steinen bauten

In Hettstedt entsteht ein neues Jobcenter, also ein Haus, in dem später einmal Arbeitslose Rat und Hilfe finden sollen und im besten Fall sogar eine Arbeit vermittelt bekommen. Nicht ausgeschlossen, dass auch arbeitslose Maurer oder Dachdecker in dieses Haus bestellt werden.


Das besagte Jobcenter am Hettstedter Freimarkt wächst in einem Supertempo. Gestern begannen die Arbeiten (nur die Fundamente waren bereits fertig), und schon heute konnten sämtliche in einer Fabrik vorgefertigten Module des Erdgeschosses aufgebaut und miteinander verschraubt werden. Nächsten Mittwoch, also genau eine Woche und einen Tag nach Montagebeginn, soll der komplette Rohbau mit drei Etagen stehen. Das Erfolgsgeheimnis: Hier wird nicht mehr Stein auf Stein gemauert, sondern werden komplette Gebäudeteile neben- und aufeinander gestellt. Kein Maurer, keine Paletten voller Backsteine, und schon gar kein Mischer, in dem der Mörtel gerührt wird, werden gebraucht.

Ich kenne einen gelernten Maurer, Mitte fünfzig, der seit mehr als zehn Jahren aus dem Beruf heraus ist. Damals ging das Unternehmen pleite, in dem er arbeitete. Heute geht er zum Jobcenter. Dieser Mann hat einen Enkel. Was wird er ihm erzählen, wenn die beiden durch die Stadt gehen? Dass die heutigen Häuser alle ohne ihn gebaut wurden?

Wer in DDR-Jahren ein Haus neu oder umbaute, hörte von den Maurern viele Geschichten von Häusern, die sie mit auf- oder umgebaut hatten. Auch meine Eltern modernisierten ihr Haus. An einem Tag Anfang der neunziger Jahre kam einer unserer Maurer mit seinem Enkel an unserem Haus vorbeispaziert und erzählte ihm ganz stolz: „Das Haus hat dein Opi mit gebaut. Wenn du mal groß bist, kannst du deinen Enkeln erzählen, dass dieses schöne Haus dein Ururopi mit gebaut hat.“

Diese Geschichte klingt zwar etwas rührend, ist aber bestimmt keine Ausnahme. Sie lässt manchmal den verrückten Wunsch aufkommen, die Zeit zurückzudrehen. Erstens, um das beruhigende Gefühl zu haben, dass Häuser für die Ewigkeit gebaut werden. Und zweitens, damit heute arbeitslosen Maurern der Weg in ein Jobcenter erspart bleibt, bei dessen Entstehen weder Maurer noch Kalk und Steine benötigt wurden. Wie gern würde mancher sagen: „Guck mal, das habe ich mitgebaut. Und seit es fertig ist, musste ich zum Glück noch nie rein.“
Jochen Miche
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Kommentare

28.01.2016, 06.27 Uhr
Nordhäuser Freiheit | Eine sehr schöne Betrachtung, Herr Miche
Eine sehr schöne Betrachtung, Herr Miche. Klasse, welche Fragen Sie aufwerfen aus der Beobachtung eines an sich profanen Vorgangs. Lesen lässt es sich darüber hinaus auch stilistisch mit Genuß.

Danke.

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30.01.2016, 22.04 Uhr
U. Alukard | Was diese Häuser wert sind,
sieht jeder in Amerika, einmal Harzsturm drüber und es steht nur noch das Fundamen und der Schornstein. Das schafft dann auch wieder Arbeitsplätze. Aber wollen wir das, ich finde mann muß nicht alles mit machen!

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30.01.2016, 22.32 Uhr
Eric Cartman | War Alukart schon mal in Amerika?
ach so, ein Harzsturm und in Amerika stürzt alles zusammen. Warum leben die dann noch? Bist Komiker Alukart, stimmts!? Die Narren sind los, was!? Görsbach. Horrido!

Arbeitsplätze für Grenztruppen sind supi dupi Alukart. Für Häuserbau setzt Alukart allerdings auf Marke Unterstand! Na welcher Maurer soll da denn reich werden?

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31.01.2016, 13.04 Uhr
Wolfi65
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