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Di, 08:00 Uhr
30.12.2025
Abschied nach mehr als drei Jahrzehnten:

"Ich muss zufrieden sein!"

Es gibt in jedem Leben immer mal wieder das, was man gemeinhin als Einschnitt betrachtet. Einer davon ist - zumindest für den gemeinen Mitteleuropäer - das Ende des Arbeitslebens. Aber: wird dann wirklich alles anders? Ab morgen geht einer diesen Weg, der maßgeblich am Aufbau einer modernen Infrastruktur des Geldflusses in Nordthüringen beteiligt war…

Das Leben wartet auch morgen auf dich (Foto: VR Bank in Thüringen) Das Leben wartet auch morgen auf dich (Foto: VR Bank in Thüringen)
“Nun wird er die Tür zu seinem Büro hinter sich schließen”, ist so ein oft gebrauchter Satz, wenn man Abschiede beschreiben oder zumindest einleiten will. Doch bei Peter Herbst gerät der Schreiber hier schon ins Stocken. Stand die Vorstandstür am Nordhäuser Taschenberg denn nicht immer offen?

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Und: An ihm haften tatsächlich nur wenige Klischees, die man gemeinhin einem Banker und dazu noch aus dem Westen ankleben könnte. Der nun in den Ruhestand geht, sich von der “großen Nordthüringer Bühne” verabschieden wird und…

Ja, was und? Ich könnte viele andere Klischees bemühen: vom sacken lassen, erst einmal abschalten, sich in der Freizeit endlich um das kümmern, was die zurückliegenden drei Jahrzehnte zu kurz kam. All das findet man bei dem 64jährigen nicht. Und eigentlich müsste hier der Artikel enden.

Soll und darf er aber nicht, also werde ich Peter Herbst noch einige “Hinweise” und “Ratschläge” für jetzt und später mit auf seinen Weg “in die neue Zeit” geben. Die fachliche Würdigung werden Anfang kommenden Jahres Menschen vornehmen, die mehr Erfahrung haben, um seine Arbeit beurteilen zu können.

Also hier nun die "Hinweise und Ratschläge": "Ich konnte dich und deine Bank tatsächlich drei Jahrzehnte lang begleiten und genau deshalb nehme ich dir den Satz ab: “Ich kann das derzeitige Gefühl nicht beschreiben.” Aber: ich merkte dir kurz vor Weihnachten an, dass du mehr als angespannt bist. Nein, es ist keine unsichere Zeit, die vor dir liegen wird. Es wird eine neue, eine gute Zeit werden. Vorausgesetzt, du triffst die richtigen Entscheidungen.

Nur, du wirst ab dem 31. Dezember keinen Aufsichtsrat und keine Vorstandskollegen vor, neben oder hinter dir haben. Du musst entscheiden, ob du tatsächlich 5.03 Uhr den Wecker klingeln lässt, um eine halbe Stunde später am Taschenberg in Nordhausen zu sein. Ich kann dir nur empfehlen: stelle den Wecker erst einmal eine halbe Stunde später, dann eine ganze Stunde. Du musst dann auch nicht mit so vielen Vorstandskollegen zurechtkommen. Trotzdem: Der Abschied wird dir nicht leicht fallen. Nein, er wird dir schwer fallen. Jetzt und in den Tagen des neuen Jahres. Dass es so sein wird, ist gut so.

Ich spürte es in all den Jahren, dass es für dich ein großes Glück war, deinen Job genau an diesem Ort und genau an diesem Platz im genossenschaftlichen Bankgefüge zu haben. Und für die Mitarbeiter der Bank sowie für die Mehrheit der Kunden auch, weil du das normale Geschäft - also Geld einsammeln, vermehren und wieder ausgeben - nahezu so perfekt beherrscht hast, dass es für die Volksbank ganz oben in Thüringen ein Erfolg wurde.

Peter Herbst bei einer Veranstaltung im Jahr 2009 (Foto: nnz) Peter Herbst bei einer Veranstaltung im Jahr 2009 (Foto: nnz)
Du hattest nie “die große Fresse”. Ich kann mich noch erinnern an diesen Satz: “Wir sind nicht die große Bank in der Region, dafür aber die solide Bank”. Vielleicht auch deshalb hattest du, der gern Entscheidungen allein oder im kleinen Kreis getroffen und verantwortet hat, vier Fusionen “überstanden”. Vielleicht auch deshalb, weil die Bank aus Nordhausen immer der stabile Eckpfeiler im Zusammenwachsen mit anderen war. Erst der Kyffhäuserkreis, dann Sömmerda. Dann Westthüringen. Ich glaube, das war dann zu viel, obwohl du das offiziell nicht zugeben wirst. Allerdings hättest du auch deinen Vertrag mit dem Aufsichtsrat der Bank durchaus bis an sein Ende abarbeiten können. Die Freiheit hattest du, wolltest sie aber nicht nutzen.

Ich denke, deine Entscheidung, die auch ein Teil von Freiheit ist, war genau richtig. Nun kommt es darauf an, sich den neuen Herausforderungen, die ein oder genau die dein Leben immer mit sich bringen wird, zu stellen. Und: Warum sollen sie auch einfacher sein? Wird es dann nicht langweilig?

Ich schreibe dir diese Zeilen, weil ich so einiges vermissen werde. Zum Beispiel die “pikanten” Sätze, mit denen du das traditionelle “Bauernfrühstück” unterhalb des Kyffhäuser eröffnet hast. Zum Beispiel aber auch dein “strukturiertes Vorgehen” im Umgang mit und an jedem Buffet. Oder die unverbogenen Gespräche über Gott, Deutschland und die Welt. Ja, ich weiß, um Gott ging es dabei nie so richtig.

Es geht auch mal gelassen, wie hier bei einem Gespräch im Jahr 2022 (Foto: nnz) Es geht auch mal gelassen, wie hier bei einem Gespräch im Jahr 2022 (Foto: nnz)
“Ich muss zufrieden sein”, war dein Spruch zum Abschied unserer Plauderei vor ein paar Tagen. Ich, der ich ein paar von diesen Lebensjahren Vorsprung habe, kann dir schreiben, dass Zufriedenheit das wahre Glück ist. Und ich hoffe, dass der Abstand zwischen unseren beiden Lebensjahren noch so lange wie möglich konstant bleibt. Da wird dann hoffentlich auch wieder Zeit für einen Plausch sein. In diesem Sinne, grüßt dich dein Freund.
Peter-Stefan Greiner

PS: Wer mehr über Peter Herbst erfahren will? Im Archiv der Nordthüringer Online-Zeitungen wird man dazu fündig.
Autor: psg

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Kommentare
Klassikerin
30.12.2025, 14:52 Uhr
bewegende Worte
zum Abschied aus dem Berufsleben.

Diese Worte hier:

"Und ich hoffe, dass der Abstand zwischen unseren beiden Lebensjahren noch so lange wie möglich konstant bleibt. "

ohne Worte, einfach toll und wünschenswert, denn dann geht es Beiden gut.
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