eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
So, 10:00 Uhr
29.03.2026
Gelesen

Linke Sprache ins Deutsche übersetzt

Die Leipziger Buchmesse ist vorbei. Mehr denn je interessieren sich Menschen für das geschriebene Wort. Egal, ob sie es analog oder digital konsumieren, sie wollen sich unterhalten fühlen oder ihren bestehenden Erkenntnissen etwas hinzufügen. Jetzt ist ein Buch auf dem Markt, das eigentlich zu verhindern gewesen wäre…

Cover (Foto: Westend-Verlag) Cover (Foto: Westend-Verlag)
Aber es ist erschienen und sein Erscheinen war notwendig. Pauline Voss und Julian Reichelt, bekannt als Stimmen des konservativen Medienhauses NIUS, haben mit "Links-Deutsch Deutsch-Links" ein Buch vorgelegt, das wie ein sprachlicher "Panzerschreck" in die Debattenlandschaft der Bundesrepublik wirkt. Es ist ein Nachschlagewerk der besonderen Art: Ein Wörterbuch, das nicht etwa neue Begriffe erklärt, sondern diejenigen Begriffe seziert, die das linke Establishment angeblich nutzt, um Diskurse zu beherrschen.

Anzeige symplr (1)
Das Buch versteht sich als "Übersetzungshilfe" aus dem sogenannten "Links-Deutsch" ins verständliche Deutsch. Auf rund 200 Seiten werden Schlüsselbegriffe wie "unsere Demokratie", "Hass und Hetze", "Energiewende", "Intersektionalität" oder "Femizid" aufgegriffen.

Die Autoren fragen provokant: Was ist eigentlich eine "gebärende Person", und warum nennt man sie nicht mehr "Mutter"? Und weshalb spricht die Polizei lieber von einem "Streit", wenn es sich um eine Straftat handelt, in die Personen mit Migrationshintergrund involviert sein? Vermutlich werden einigen Lesern jetzt schon kleine Schaumbläschen auf den Lippen tanzen. Und doch, so meine Meinung, das Buch war notwendig. Und es ist genau von den Leuten geschrieben worden, deren Konterfeis in der links-grünen Umgestaltungszentrale vermutlich als Vorlage auf Dart-Scheiben dienen.

Haben Sie vielleicht auch manchmal darüber nachgedacht, warum in bestimmten Medien, von bestimmten Menschen von „unserer Demokratie“ geredet oder geschrieben wird? Und haben sie sich gefragt, ob sie, liebe Leserinnen und Leser der Nordthüringer Online-Zeitungen, zu „uns“ gehören? Es sind genau diese sprachlichen Verschiebungen, die Voss und Reichelt als bewusste Instrumentalisierung entlarven wollen.

Voss, stellvertretende Chefredakteurin von NIUS, und Reichelt, der frühere "Bild"-Chef und jetzige NIUS-Gründer, haben keine wissenschaftliche Abhandlung geschrieben. Vielmehr liefern sie ein "unkorrektes und bitterböses" Panoptikum, das weniger auf sachliche Analyse denn auf politische Kampagne setzt. Das Buch ist gespickt mit Zitaten, die weniger aus dem Buch selbst stammen, sondern vielmehr die im Buch kritisierte Sprache widerspiegeln: "Parteien der Mitte", "Haltung zeigen" oder "Delegitimierung" werden als Mantras entzaubert, hinter denen sich die Autoren zufolge politische Strategien verbergen.

Cover (Foto: Westend-Verlag) Cover (Foto: Westend-Verlag) Die Reaktionen der Leserinnen und Leser fallen erwartbar polarisiert aus. Auf Amazon feiern es viele als "Pflichtlektüre" und "Augenöffner". Ein Rezensent schreibt: "Nicht selten hatte man einen 'Aha'-Moment beim Lesen und dachte sich: Genau so ist es, das war es, was ich immer schon gefühlt habe". Gelobt wird der "witzige Ton" und die "chirurgische Präzision", mit der das eigene Unbehagen an der modernen Sprachregelung artikuliert werde. Voss und Reichelt wissen genau, wie und wo sie die Trigger finden. Sie erfinden sie nicht, sondern picken sie heraus und stellen sie bloß. Und zwar genau in der Art, wie sie beiden es gelernt haben. Und sie haben 25 Publizisten, Autoren, Journalisten gebeten, dieses kleine schwarze Buch mit ihren Gedanken zu füllen. Manchmal heiter, manchmal nachdenklich, mal bitterböse.

Doch genau hier liegt die Crux. Das Buch ist weniger eine linguistische Studie, sondern vielmehr ein Stück politischer Publizistik. Es spricht jene an, die sich im "linken Floskel-Wahnsinn" nicht mehr alleine fühlen wollen. Es liefert Argumentationshilfen um dem "linken Kulturkampf" zu widerstehen. Kritiker würden sagen: Es bedient sich exakt derselben Polarisierungsmechanismen, die es zu kritisieren vorgibt.

"Links-Deutsch Deutsch-Links" ist ein unterhaltsames und sprachlich gewandtes Buch, das den Nerv der Zeit trifft. Es ist ein Mutmacher für all jene, die das Gefühl haben, im öffentlichen Diskurs nicht mehr richtig sprechen zu dürfen. Wer jedoch eine ausgewogene Sprachkritik erwartet, wird enttäuscht sein. Denn letztlich ist das Werk von Pauline Voss und Julian Reichelt selbst ein Beitrag zu dem Kulturkampf, den es beschreibt – nur von der anderen Seite aus geführt. Unterstützung finden die Autoren dabei von profunden Kolleginnen und Kollegen der Medienbranche wie Harald Martenstein, Henryk M. Broder oder Joachim Steinhöfel. Im Übrigen verfügt das „Nachschlagewerk“ über ein umfangreiches Quellenverzeichnis. Melanie Amann wird man in der Liste nicht finden.

Natürlich wird das Buch unterschiedlich in der Medienwelt betrachtet, in der SZ anders als bei der WELT. Ohne individuellen Touch sind darüber hinaus die Listen, in denen die „Hits“ der deutschen und internationalen Bücherwelt aufgelistet sind. Zum Beispiel die Bestsellerliste des „Spiegel“. Dort rangiert das Teil auf Platz 1 der Sachbuchabteilung. Interesse scheint es in Deutschland also immer noch an diesen Themen zu geben. Gut so und: weiter so.
Peter-Stefan Greiner

Pauline Voss und Julian Reichelt: „Links - Deutsch / Deutsch - Links“. Westend, 2026. 192 Seiten.
Autor: psg

Anzeige symplr (6)
Kommentare
DonaldT
29.03.2026, 13:29 Uhr
Linke Sprache ins Deutsche übersetzt
Es gibt ein Lied, dass heißt: "Ein Lied".
Auszug daraus:
"Die deutsche Sprache, ermordet von Grün und Rot.

Goethe ist tot, Schiller ist tot und mir ist auch schon ganz schlecht.
nohra
29.03.2026, 15:27 Uhr
Sehr zu empfehlen
Das Buch empfehle ich allen die immer noch die Parteien wählen , die sich die Parteien der Mitte nennen und die auf keinen Fall die DDR zurück haben wollen .
Kritiker2010
29.03.2026, 18:42 Uhr
Ein Buch, das dem Zeitgeist den Spiegel vorhält
Obwohl ich den ganzen Tag lese und schreibe, kaufe ich selten Bücher. Doch hier bin ich auch der Versuchung erlegen - ob aus Übermut oder Schadenfreude. Vielleicht wollte ich auch einfach mal bei einem Hype mitmachen.

Ich hatte keine besonderen Erwartungen, rechnete auch nicht mit tiefgründigen philosophischen Betrachtungen oder mit neuen Erkenntnissen aus einer unbekannten Perspektive. Schließlich sind die Herausgeber Boulevard-Journalisten. Und so fühlt es sich auch an. Es ist eine kurzweilige und facettenreiche Beschreibung der Gegenwart oder vielmehr der Euphemismen, die man täglich hört - wohl wissend, was damit ungesagt bleiben soll.

Für einige Leute ist es sicher ein Tiefschlag, wenn sie endlich realisieren, dass ohnehin jeder halbwegs wache Geist die so klugen Verklausulierungen durchschaut, vielleicht auch weil man es zu oft und intellektuell zu billig getan hat. Die Erkenntnis, dass die Leute wieder zwischen den Zeilen lesen, lässt aber bei vielen Literaten noch auf sich warten … und letztlich wird ideologische Konformität auch heute wieder von Staatswegen gefördert.

Noch viel mehr Verbitterung über die Entwertung der eigenen literarischen Ergüsse dürfte aber eine andere Tatsache erzeugen - das Interesse der Leser, sichtbar durch Verkaufszahlen: Spiegel Bestseller Platz 1, Amazon Bestseller-Rang Nr. 1 (in Bücher - alle und auch diverse Kategorien). Das sind Sphären, in die staatlich geförderte und mühevoll beklatschte Werke in der Regel nicht vordringen. Umso tiefer sitzt der Schlag, weil es ja auch hier irgendwie nur um Ideologie geht.

PSG schreibt: "Jetzt ist ein Buch auf dem Markt, das eigentlich zu verhindern gewesen wäre …" Das finde ich unglücklich formuliert. Denn das mit dem Verhindern und Verbieten wiederholt sich in Deutschland mit bedauernswerter Regelmäßigkeit und dem immergleichen Muster.
Dieses Buch wäre aber ganz sicher nicht entstanden, wenn sich nicht große Teile der schreibenden Zunft wieder zum willfährigen Werkzeug degradiert hätten, zum simplen Multiplikator einer gleichförmigen Meinungslandschaft, die einer Demokratie unwürdig ist.
Leser X
29.03.2026, 19:34 Uhr
Springer lässt grüßen
Nach allem, was ich dem Beitrag entnahm, wohl ein Buch nach dem Motto "Von der Blase für die Blase"...

... Und passt natürlich irgendwie in den Skandal um Kulturstaatssekretär Weimer, der auf fragwürdige Weise die Buchmesse in eine ihm genehme Richtung zu drängen versuchte. Was ja auch zu lautstarken Protesten am Eröffnungstag führte.
diskobolos
29.03.2026, 20:20 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Artikel
Kommentar hinzufügen
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)