Fr, 11:11 Uhr
11.01.2008
Jugendrichter befragt
Täglich gehen nun Meldungen über Jugendstraftaten über die Nachrichtenticker. Wie sieht es im Kyffhäuserkreis aus? Wir befragten Christian Kropp, Richter am Amtsgericht Sondershausen.
Die verhandelten Fälle am Amtsgericht Sondershausen sind laut Christian Kropp in den letzten Jahren sogar zurückgegangen. Was er aber mit großem Unbehagen feststellen musste ist die Tatsache, dass in der Zeit die, er hier in Sondershausen (11 Jahre) tätig ist, die Qualität der Körperverletzung stark zugenommen hat. Diese Qualitätsverbesserung ist leider kein gutes Zeichen, sondern heißt einfach, dass die Gewalt der Jugendlichen und die angewendete Brutalität stark zugenommen haben.
Es ist eben nicht mehr wie noch vor einigen Jahren, dass man sich begnügte zuzeigen, dass man der Stärkere ist, wenn der Andere am Boden liegt. Nein, jetzt wird der am Boden liegende sogar noch weiter getreten, mit dem Ziel ihn zu verletzen.
Auch bemerke Richter Kropp eine Verrohung der Sprache unter den Jugendlichen. Wer denkt, dass schubsen so ein Stück wegschieben ist, der irrt. Schubsen bei den Jugendlichen heißt, dass man seinen Gegenüber schon mal kräftig vor die Wand drückt, um Stärke zu demonstrieren.
Auf die Frage, worin er denn die Ursache für diese negative Entwicklung sieht, meinte er, dass vor allem der Wegbruch von Familienbanden eine der Hauptursachen ist. Eltern, Großeltern usw. beschäftigen sich immer weniger mit ihren Kindern. Dadurch können Wertvorstellungen (Moral) nicht mehr weitervermittelt werden. Und das betrifft nicht nur Problemfamilien, sondern ist eine Allgemeinerscheinung.
Wenn dann gar die Eltern durch Jobverlust an Halt verlieren, überträgt sich das leider allzu oft auch die Kinder. Aber auch bei Trennungskindern ist diese Wertevermittlung häufig nicht mehr möglich. Wenn sich diese alleingelassenen Kinder dann auch noch mit Gewaltvideos oder den brutaler werdenden Fernsehsendungen widmen, ist der Schritt nicht mehr weit, selbst gewalttätig zu werden.
Ein möglichen Punkt für die steigende Gewalt trifft zumindest für den Kyffhäuserkreis nicht zu: Wie Richter Kropp aus Veröffentlichungen in den USA entnahm, wurde dort beobachtet, dass bei Ansammlung leerstehender Gebäude sich bald Gewaltexzesse gegen die Gebäude richteten und dieses Gewaltpotential sehr oft dann auch auf Personen eskalierte. Auch wenn noch nicht wissenschaftlich fundiert, sollte man bei Konzepten zu Stadtentwicklungen solche Probleme schon mal vorsorglich ins Auge fassen, meint zumindest Kyffhäuser Nachrichten.
Die Frage, ob denn Gewalt ausländischer Jugendlicher im Kyffhäuserkreis ein Problem sei, verneinte er. Dazu gäbe es zuwenig Ballungszentren für ausländische Jugendliche.
Auch bei der Frage, wie er denn die jetzige politische Diskussion betrachte, mahnte er zur Vorsicht. Er betrachte die schleichende Verrohung vieler Jugendlicher als echtes Problem und findet es im gesellschaftlichen Interesse wichtig, darüber im Gesamten zu diskutieren. Er mahnte aber auch zur Vorsicht, nicht einzelne Punkte rauszulösen und in der einen oder anderen Richtung im Wahlkampf zu missbrauchen.
Auch auf die Frage, ob denn die bisherigen Gesetzlichkeiten ausreichten, sagte Richter Kropp, dass man die bestehenden Gesetze erst mal ausreizen sollte. Jugendliche Straftäter müssen mich nicht mögen. Wenn das der Fall ist, habe ich etwas falsch gemacht. Und seine Arbeit gibt ihm Recht. Ca. 80 % der im Kyffhäuserkreis verurteilten Jugendlichen sind bisher nicht mehr rückfällig geworden!
Zu unseren Fragen nach Erziehungscamps und Warnschussarrest äußerte er sich wie folgt:
Die in den USA mit solchen Erziehungscamps erzielten Erfolge sich viel zu mager und einer sehr hohen Rückfallquote verbunden. Erziehungscamps in Deutschland halte er in ihrer Durchführbarkeit als viel zu teuer und kaum bezahlbar. Auch käme der viel diskutierte Warnschussarrest viel zu spät. Er denke, es wäre besser, schon bei Bewährungsstrafen lieber den Straftäter mal zu einer Woche Haft zu verurteilen, die er gleich am Anfang verbüßen muss, damit er weiß, was ihn erwartet, wenn er wieder straffällig wird. Auch das sei ohne Gesetzesänderung jetzt schon realisierbar.
Autor: khhDie verhandelten Fälle am Amtsgericht Sondershausen sind laut Christian Kropp in den letzten Jahren sogar zurückgegangen. Was er aber mit großem Unbehagen feststellen musste ist die Tatsache, dass in der Zeit die, er hier in Sondershausen (11 Jahre) tätig ist, die Qualität der Körperverletzung stark zugenommen hat. Diese Qualitätsverbesserung ist leider kein gutes Zeichen, sondern heißt einfach, dass die Gewalt der Jugendlichen und die angewendete Brutalität stark zugenommen haben.
Es ist eben nicht mehr wie noch vor einigen Jahren, dass man sich begnügte zuzeigen, dass man der Stärkere ist, wenn der Andere am Boden liegt. Nein, jetzt wird der am Boden liegende sogar noch weiter getreten, mit dem Ziel ihn zu verletzen.
Auch bemerke Richter Kropp eine Verrohung der Sprache unter den Jugendlichen. Wer denkt, dass schubsen so ein Stück wegschieben ist, der irrt. Schubsen bei den Jugendlichen heißt, dass man seinen Gegenüber schon mal kräftig vor die Wand drückt, um Stärke zu demonstrieren.
Auf die Frage, worin er denn die Ursache für diese negative Entwicklung sieht, meinte er, dass vor allem der Wegbruch von Familienbanden eine der Hauptursachen ist. Eltern, Großeltern usw. beschäftigen sich immer weniger mit ihren Kindern. Dadurch können Wertvorstellungen (Moral) nicht mehr weitervermittelt werden. Und das betrifft nicht nur Problemfamilien, sondern ist eine Allgemeinerscheinung.
Wenn dann gar die Eltern durch Jobverlust an Halt verlieren, überträgt sich das leider allzu oft auch die Kinder. Aber auch bei Trennungskindern ist diese Wertevermittlung häufig nicht mehr möglich. Wenn sich diese alleingelassenen Kinder dann auch noch mit Gewaltvideos oder den brutaler werdenden Fernsehsendungen widmen, ist der Schritt nicht mehr weit, selbst gewalttätig zu werden.
Ein möglichen Punkt für die steigende Gewalt trifft zumindest für den Kyffhäuserkreis nicht zu: Wie Richter Kropp aus Veröffentlichungen in den USA entnahm, wurde dort beobachtet, dass bei Ansammlung leerstehender Gebäude sich bald Gewaltexzesse gegen die Gebäude richteten und dieses Gewaltpotential sehr oft dann auch auf Personen eskalierte. Auch wenn noch nicht wissenschaftlich fundiert, sollte man bei Konzepten zu Stadtentwicklungen solche Probleme schon mal vorsorglich ins Auge fassen, meint zumindest Kyffhäuser Nachrichten.
Die Frage, ob denn Gewalt ausländischer Jugendlicher im Kyffhäuserkreis ein Problem sei, verneinte er. Dazu gäbe es zuwenig Ballungszentren für ausländische Jugendliche.
Auch bei der Frage, wie er denn die jetzige politische Diskussion betrachte, mahnte er zur Vorsicht. Er betrachte die schleichende Verrohung vieler Jugendlicher als echtes Problem und findet es im gesellschaftlichen Interesse wichtig, darüber im Gesamten zu diskutieren. Er mahnte aber auch zur Vorsicht, nicht einzelne Punkte rauszulösen und in der einen oder anderen Richtung im Wahlkampf zu missbrauchen.
Auch auf die Frage, ob denn die bisherigen Gesetzlichkeiten ausreichten, sagte Richter Kropp, dass man die bestehenden Gesetze erst mal ausreizen sollte. Jugendliche Straftäter müssen mich nicht mögen. Wenn das der Fall ist, habe ich etwas falsch gemacht. Und seine Arbeit gibt ihm Recht. Ca. 80 % der im Kyffhäuserkreis verurteilten Jugendlichen sind bisher nicht mehr rückfällig geworden!
Zu unseren Fragen nach Erziehungscamps und Warnschussarrest äußerte er sich wie folgt:
Die in den USA mit solchen Erziehungscamps erzielten Erfolge sich viel zu mager und einer sehr hohen Rückfallquote verbunden. Erziehungscamps in Deutschland halte er in ihrer Durchführbarkeit als viel zu teuer und kaum bezahlbar. Auch käme der viel diskutierte Warnschussarrest viel zu spät. Er denke, es wäre besser, schon bei Bewährungsstrafen lieber den Straftäter mal zu einer Woche Haft zu verurteilen, die er gleich am Anfang verbüßen muss, damit er weiß, was ihn erwartet, wenn er wieder straffällig wird. Auch das sei ohne Gesetzesänderung jetzt schon realisierbar.
