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Mo, 22:40 Uhr
25.01.2010

Lachen, dass man weinen möchte

Ein Klavier auf einem Stativ, ein Soundgerät und ein Klavierhocker auf der Bühne und dann noch dazu Johannes Kirchberg, schlacksig im Anzug, sein Publikum freundlich-lächelnd empfangend und schon kann ein Abend mit einem emotionalen Wechselbad beginnen, so schildert Fred Böhme, was der Zuschauer am letzten Freitag im Panorama erlebte...

Johannes Kirchberg (Foto: Fred Böhme) Johannes Kirchberg (Foto: Fred Böhme) Johannes Kirchberg, der gebürtige Sachse und Neu-Hamburger gastierte am Freitagabend, dem 22. Januar, mit seinem aktuellen Programm „Über die Verhältnisse“, einer Melange aus Chansons, kabarettistischen Liedern und kleinen skurrilen Alltagsanekdoten, in der Eingangshalle des Panorama Museums. Auch wenn das Klima an diesem Abend in Bad Frankenhausen sehr frostig war, bereiteten ihm die mehr als sechzig Gäste einen warmen Empfang. Und schon ging es los mit seinem „Du machst mich reich“.

Ein Liebhaber, der ein erotisches Abenteuer nur für eine Nacht gesucht hatte, bedauert diese Kurzsichtigkeit, weil er erkennen muss, dass der Reichtum dieser Frau sie für ihn unwiderstehlich macht. Was mit melancholischem Bedauern beginnt, wird unvermittelt zur scharfzüngigen Satire, ein hellsichtiges Demaskieren der mit Gefühlsduselei kaschierten Geldgier, wobei genügend Situationskomik die Heftigkeit dieser Farce milderte, ja der Liebhaber kokettiert gar mit seiner Käuflichkeit, „Was meint denn ihr, was ich alles schon für 50,- € gemacht habe.“ Und dieser Grundton bestimmte den Abend. Es sind vor allem diese bissig-ironischen Texte von Tom Reichel, diese geschliffen rhythmisch-reimelnden Zeilen, die nicht mit moralistischer Selbstüberhebung auf unsere eigenartigen Zeitgenossen schauen, sondern vielmehr Johannes Kirchberg als Ich-Erzähler in diese Rollen schlüpfen lässt, die den besonderen Reiz des Abends ausmachten. Und dessen schauspielerisches und gesangliches Talent war die unbedingte Voraussetzung für die Wirksamkeit der Texte.

Johannes Kirchberg (Foto: Fred Böhme) Johannes Kirchberg (Foto: Fred Böhme)

Mit besonderem Charme bot dieser Künstler eine Bosheit nach der anderen, so dass einem das Lachen in der Kehle stecken blieb. Dazu perlende Klavierläufe, die eher Kerzenscheinromantik assoziieren, also hinreißenden Kitsch und dann diese Texte. „Alles ist nur aus Licht“, ein Stück über die Illusionen von Show und Bühne, deren Akteure hinter der Bühne zu grauen Mäusen werden, „Glauben Sie nicht was Sie sehen…was Sie auf der Bühne sehen, ist doch alles nur aus Licht“ heißt es da im Refrain. „Sowas gab es früher nicht!“ der Ausruf des erzkonservativen Schwiegervaters, der sich über die Familienbilder der Gegenwart mokiert und auf seine stramm-autoritären Traditionen schwört und natürlich auf diese neuen Verhältnisse mit Verachtung sieht.

Das Publikum registrierte wach die Pointen, bedankte sich mit viel Applaus und Johannes Kirchberg kam letztlich nicht umhin, sein Publikum mit mehreren Zugaben zufrieden stellen zu müssen. Fazit: Es war ein Abend, der Hirn und Herz gleichermaßen ansprach und zu tiefen Blicken in den Spiegel nötigte, wo man zu sehen bekam, was man lieber ignoriert.
Fred Böhme
Autor: khh

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