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Fr, 15:45 Uhr
26.08.2011

Reaktion auf Artikel in der FAZ

SPD Bundestagsmitglied Steffen-Claudio Lemme setzt sich in einem offenen Brief mit einem Artikel auseinander der in der FAZ stand und sich mit dem Thema Kyffhäuserkreis beschäftigt. Lemme hat die Schreiberin in den Kyffhäuserkreis eingeladen. Wir haben den Brief und als pdf den ursprünglichen Artikel...

Ihr Artikel „Ein Leben unter Niveau“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom 6. August 2011

Sehr geehrte Frau Hummel,
Sie haben in Ihrem Artikel vom 6.August 2011 einen Teil meines Wahlkreises zum Thema gemacht. Als mir der Bericht zur Kenntnis gelangte, war ich doch sehr erstaunt über das Urteil einer FAZ-Redakteurin über die Menschen im Kyffhäuserkreis.

Insbesondere ärgert mich die undifferenzierte Betrachtung der Realitäten vor Ort. Seit zwei Jahren vertrete ich diesen Landkreis im Deutschen Bundestag und habe in dieser Zeit sehr viele Betriebe, Vereine und andere Institutionen im Kyffhäuserkreis besucht und mit vielen Menschen über ihre Sorgen, Nöte aber auch Erfolgsgeschichten gesprochen.

Sie haben für Ihre Berichterstattung offensichtlich ausschließlich eine Wohngemeinschaft von demotivierten jungen Männern besucht sowie einen Bürgermeister befragt, der den Sinn seines Mandates scheinbar noch nicht richtig erfasst hat. Daraus ein Pauschalurteil über die jungen Männer im Kyffhäuserkreis zu fällen, halte ich für unangemessen.

Unbestritten, hat der Landkreis erhebliche strukturelle Probleme und damit einhergehend die höchste Arbeitslosigkeit in Thüringen. Das hat seine Ursachen. Diese liegen im Zusammenbruch der Wirtschaftsstruktur nach der politischen Wende. Die von Bergbau geprägte Region hat allein in diesem Bereich mehrere tausend Arbeitsplätze verloren. Dazu wurden zahlreiche weitere Betriebe geschlossen, die vor allem Frauen Arbeit boten. Viele Menschen waren so von heute auf morgen arbeitslos. Ich bin nicht sicher, ob Sie beurteilen können, was das für eine ganze Region bedeutet.

Die verlorenen Arbeitsplätze konnten bis heute nicht kompensiert werden. Darüber hinaus ist es angesichts des in vielen Branchen noch heute bestehenden Lohngefälles zwischen Ost und West für den Kyffhäuserkreis wie für viele ostdeutsche Landkreise deutlich schwerer, junge und gut ausgebildete Leute zu halten. Das ist ein Problem, welches wir in Kooperation mit der Wirtschaft auf politischer Ebene zu lösen haben.

Trotz all dieser Schwierigkeiten, gibt es hier zuversichtliche Menschen, die an einer positiven Entwicklung in ihrer Heimat arbeiten. Viele tun dies in ihrer Freizeit ehrenamtlich. Mit Ihrer Berichterstattung tun sie insbesondere den von Hartz IV betroffenen Menschen im Kyffhäuserkreis Unrecht. Sie stellen sie unter den Generalverdacht, keine Lust auf Arbeit zu haben und sich in der sozialen Hängematte zu sonnen. Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass die von Ihnen interviewten jungen Männer keineswegs repräsentativ für die Hartz IV Empfänger in diesem Landkreis sind. Ich habe viele engagierte Menschen kennengelernt, die aus eigenem Antrieb bemüht sind aus dieser Situation herauszukommen.

Abgesehen davon sind auch im Kyffhäuserkreis eine ganze Reihe von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf Transferleistungen angewiesen, da sie aufgrund niedriger Einkommen von ihrer Hände Arbeit nicht leben können. Auch diese werden in Ihrem Artikel diskriminiert, da er in keinster Weise differenziert. Von einer Redakteurin einer renommierten überregionalen Zeitung wie der FAZ, hätte ich mir eine ausgewogenere Schilderung der Umstände vor Ort gewünscht.

Ich möchte Sie deshalb gern einladen, mit mir gemeinsam den Kyffhäuserkreis ein zweites Mal zu besuchen, um mit dem engagierten und überwiegenden Teil der hiesigen Bevölkerung in Kontakt zu treten und die Region von einer sehr positiven Seite kennenzulernen. Ich würde mich freuen, wenn Sie der Einladung folgen könnten.
Mit freundlichen Grüßen
Steffen-Claudio Lemme
MdB

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