Do, 18:36 Uhr
18.09.2014
Tolle 13.Ebelebener Werkstattlesung
Mit Sergej Lochthofen konnte Bürgermeister Uwe Vogt einen prominenten Autor zur 13. Werkstattlesung begrüßen. Mehr als 100 Zuhörer füllten den Saal der Mühlhäuser Werkstätten in der Helbestadt.
Claudia Vogt stellte den Autor Sergej Lochthofen vor. Dieser ist den Zuhörern natürlich insbesondere als ehemaliger Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen bekannt. Geboren wurde er im arktischen Workuta als Sohn eines Verbannten. Im Alter von fünf Jahren kam er 1958 nach Thüringen. Er studierte Kunst auf der Krim und Journalistik in Leipzig. Frau Vogt führte anschließend in bewährter Weise in das Werk des Autors ein - gab einen Überblick über wichtige Darstellungen im Buch Schwarzes Eis.
Der Autor sagte, dass er selbst eine interessante Lebensgeschichte habe. So ist er der Sohn eines Deutschen und einer Russin. Als Bürger mit sowjetischem Pass in der DDR konnte er sowohl den Dienst in der Roten Armee als auch den der NVA umgehen. Er beherrscht beide Sprachen perfekt.
Der Autor sagte selbst über sein Werk, dass dieses eine moderne Form des Sachbuches sei. Seine Lesung untermalte er mit stimmungsvoller Musik von alten Schellackplatten, die er auf dem Grammofon spielte.
In Schwarzes Eis schildert Sergej Lochthofen das Leben seines Vaters Lorenz Lochthofen – eines deutschen Kommunisten, der in den 30er Jahren aus dem Ruhrgebiet nach Auseinandersetzungen mit der SA in die Sowjetunion flieht. Die Sowjetunion gilt seinerzeit als Heimat aller Werktätigen. Dort studiert Lorenz Lochthofen an der Kommunistischen Universität der nationalen Minderheiten des Westens in Moskau Journalismus. Nach dem Studium bekommt er eine Anstellung bei der deutschen Zeitung Nachrichten in Engels, der Hauptstadt der Wolgadeutschen Republik. In Engels wird eine enge Beziehung zu anderen Deutschen u.a. zur Familie des berühmten Autors Friedrich Wolf gepflegt.
In der Diktatur Stalins ist die damalige Sowjetunion mit Lagern übersät, wohin Regimegegner oder einfach nur wage Verdächtige verbannt werden. Schnell kam es zu Spionageverhaftungen bzw. Säuberungsaktionen. Auch Lorenz Lochthofen ereilte dieses Schicksal.
Über die Todeszelle und später die Ganovenzelle in Saratow kommt er schließlich nach Workuta. Workuta in der arktischen Tundra zählt neben Magadan im Fernen Osten zu den schlimmsten Lagern. Hunderttausende haben das Leben in den Lagern nicht überlebt. Die letzten 1000 Kilometer müssen die Verbannten bzw. Zwangsarbeiter nach Workuta laufen, da es zu dieser Zeit noch keinen Bahnanschluss gab. Der Begriff Schwarzes Eis ergibt sich aus der Paarung des Eises, im Winter herrschen bis zu minus 40 Grad, und dem Steinkohlestaub, der in die Poren des Eises eindrang.
Die Baracken von Workuta sind einfache Zelte, da es Holz nicht gab. Ein Großprojekt der damaligen Zeit war der Bau des Weißmeerkanals. Unter unmenschlichen Bedingungen brauchte man billige Arbeitskräfte, dafür dienten die politischen Gefangenen.
Workuta war zur damaligen Zeit eine lose Anhäufung von Gruben und Lagern, die durch eine Lagerbahn verbunden waren. Durch den Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion wuchs der Hass auf die Deutschen, was auch die Strafgefangenen in Workuta zu spüren bekamen. Lorenz Lochthofen wurde 1946 aus dem Lager entlassen, jedoch mit der Auflage, sich ewig in Workuta ansiedeln zu müssen. Erst nach dem Tode Stalins kam es zu einer gewissen Tauwetterperiode. Unter Chrutschtschow konnte er eine Rehabilitierung erreichen an dessen Ende die Ausreise in die DDR stand.
In Gotha stieg er schnell vom Schlosser zum Technischen Direktor im Waggonwerk Gotha auf, bevor er auf Parteiwunsch das Büromaschinenwerk in Sömmerda übernahm. Lorenz Lochthofen war zu dieser Zeit bis in das Zentralkomitee der SED aufgestiegen.
Sergej Lochthofen beantwortete im zweiten Teil der Veranstaltung Fragen des Publikums. Für die ehemaligen Gefangenen, die die sowjetischen Lager überlebt hatten, wurde in der DDR bewusst Angst geschürt, nicht über diese Zeit zu sprechen.
Er begründete den Untergang der DDR damit, dass diese eine Missgeburt mit dem Geburtshelfer Stalin gewesen sei, viele wichtigen Entscheidungen in Moskau und nicht in Berlin fielen.
Er beantwortete auch Fragen zu seiner Zeit bei der Thüringer Allgemeinen und erläuterte seinen Abgang aus der eigenen Sicht.
Präzise gab er des weiteren Auskunft über die aktuelle Ukraine- Krise und schilderte dabei interessante Zusammenhänge aber auch Begehrlichkeiten anderer Staaten. Interessant waren auch seine Thesen über die langfristigen Auswirkungen des Konflikts.
Mit einem großen Applaus und einem Buch Geschichte & Geschichten aus Ebeleben als Geschenk wurde Sergej Lochthofen vom Bürgermeister nach fast dreistündiger Veranstaltung verabschiedet.
Autor: khhClaudia Vogt stellte den Autor Sergej Lochthofen vor. Dieser ist den Zuhörern natürlich insbesondere als ehemaliger Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen bekannt. Geboren wurde er im arktischen Workuta als Sohn eines Verbannten. Im Alter von fünf Jahren kam er 1958 nach Thüringen. Er studierte Kunst auf der Krim und Journalistik in Leipzig. Frau Vogt führte anschließend in bewährter Weise in das Werk des Autors ein - gab einen Überblick über wichtige Darstellungen im Buch Schwarzes Eis.
Der Autor sagte, dass er selbst eine interessante Lebensgeschichte habe. So ist er der Sohn eines Deutschen und einer Russin. Als Bürger mit sowjetischem Pass in der DDR konnte er sowohl den Dienst in der Roten Armee als auch den der NVA umgehen. Er beherrscht beide Sprachen perfekt.
Der Autor sagte selbst über sein Werk, dass dieses eine moderne Form des Sachbuches sei. Seine Lesung untermalte er mit stimmungsvoller Musik von alten Schellackplatten, die er auf dem Grammofon spielte.
In Schwarzes Eis schildert Sergej Lochthofen das Leben seines Vaters Lorenz Lochthofen – eines deutschen Kommunisten, der in den 30er Jahren aus dem Ruhrgebiet nach Auseinandersetzungen mit der SA in die Sowjetunion flieht. Die Sowjetunion gilt seinerzeit als Heimat aller Werktätigen. Dort studiert Lorenz Lochthofen an der Kommunistischen Universität der nationalen Minderheiten des Westens in Moskau Journalismus. Nach dem Studium bekommt er eine Anstellung bei der deutschen Zeitung Nachrichten in Engels, der Hauptstadt der Wolgadeutschen Republik. In Engels wird eine enge Beziehung zu anderen Deutschen u.a. zur Familie des berühmten Autors Friedrich Wolf gepflegt.
In der Diktatur Stalins ist die damalige Sowjetunion mit Lagern übersät, wohin Regimegegner oder einfach nur wage Verdächtige verbannt werden. Schnell kam es zu Spionageverhaftungen bzw. Säuberungsaktionen. Auch Lorenz Lochthofen ereilte dieses Schicksal.
Über die Todeszelle und später die Ganovenzelle in Saratow kommt er schließlich nach Workuta. Workuta in der arktischen Tundra zählt neben Magadan im Fernen Osten zu den schlimmsten Lagern. Hunderttausende haben das Leben in den Lagern nicht überlebt. Die letzten 1000 Kilometer müssen die Verbannten bzw. Zwangsarbeiter nach Workuta laufen, da es zu dieser Zeit noch keinen Bahnanschluss gab. Der Begriff Schwarzes Eis ergibt sich aus der Paarung des Eises, im Winter herrschen bis zu minus 40 Grad, und dem Steinkohlestaub, der in die Poren des Eises eindrang.
Die Baracken von Workuta sind einfache Zelte, da es Holz nicht gab. Ein Großprojekt der damaligen Zeit war der Bau des Weißmeerkanals. Unter unmenschlichen Bedingungen brauchte man billige Arbeitskräfte, dafür dienten die politischen Gefangenen.
Workuta war zur damaligen Zeit eine lose Anhäufung von Gruben und Lagern, die durch eine Lagerbahn verbunden waren. Durch den Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion wuchs der Hass auf die Deutschen, was auch die Strafgefangenen in Workuta zu spüren bekamen. Lorenz Lochthofen wurde 1946 aus dem Lager entlassen, jedoch mit der Auflage, sich ewig in Workuta ansiedeln zu müssen. Erst nach dem Tode Stalins kam es zu einer gewissen Tauwetterperiode. Unter Chrutschtschow konnte er eine Rehabilitierung erreichen an dessen Ende die Ausreise in die DDR stand.
In Gotha stieg er schnell vom Schlosser zum Technischen Direktor im Waggonwerk Gotha auf, bevor er auf Parteiwunsch das Büromaschinenwerk in Sömmerda übernahm. Lorenz Lochthofen war zu dieser Zeit bis in das Zentralkomitee der SED aufgestiegen.
Sergej Lochthofen beantwortete im zweiten Teil der Veranstaltung Fragen des Publikums. Für die ehemaligen Gefangenen, die die sowjetischen Lager überlebt hatten, wurde in der DDR bewusst Angst geschürt, nicht über diese Zeit zu sprechen.
Er begründete den Untergang der DDR damit, dass diese eine Missgeburt mit dem Geburtshelfer Stalin gewesen sei, viele wichtigen Entscheidungen in Moskau und nicht in Berlin fielen.
Er beantwortete auch Fragen zu seiner Zeit bei der Thüringer Allgemeinen und erläuterte seinen Abgang aus der eigenen Sicht.
Präzise gab er des weiteren Auskunft über die aktuelle Ukraine- Krise und schilderte dabei interessante Zusammenhänge aber auch Begehrlichkeiten anderer Staaten. Interessant waren auch seine Thesen über die langfristigen Auswirkungen des Konflikts.
Mit einem großen Applaus und einem Buch Geschichte & Geschichten aus Ebeleben als Geschenk wurde Sergej Lochthofen vom Bürgermeister nach fast dreistündiger Veranstaltung verabschiedet.

