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Mo, 21:02 Uhr
20.01.2020
Meldung aus der Wirtschaftswelt

Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk

Am Nachmittag informierte sich Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bundestag über die Pläne zur Gestaltung eines energieautarken Bergwerks hier am Standort Sondershausen...

Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Am 07.12.2018 hatte im Rahmen der Festveranstaltung 125 Jahre Bergbau in Sondershausen die Glückauf Sondershausen Entwicklungs - und Sicherungsgesellschaft mbH (GSES) dieses anspruchsvolles Konzept vorgestellt:
GSES will energieautarkes Bergwerk werden

Beim Geschäftsführer der GSES, Johann-Christian Schmiereck, traf sich heute Göring-Eckardt, um über das Projekt „Energieautarkes Bergwerk Sondershausen“ und dessen Realisierungsmöglichkeiten zu sprechen.

Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Für die GSES ist die Zielstellung klar. Um zukunftssicher sein zu können, muss in der heutigen Zeit insbesondere die Energieversorgung gesichert werden. Ein Weg die Energieversorgung zu optimieren.


Wir wollen energieautark werden und mit dieser Stromproduktion 70.000 Tonnen CO2 in 10 Jahren weniger erzeugen und rund den Verbrauch von Diesel um 2,2 Millionen Liter pro Jahr senken soll, so Schmiereck vor gut einem Jahr.

Im Grubenbetrieb in Sondershausen sind rund 100 Fahrzeug unter Tage im Einsatz. Befahrungsfahrzeuge auf Elektroantrieb umstellen ist nicht das ganz große Thema. Probleme bereiten die 30 bis 40 Großfahrzeuge, besonders die beladenen 35-Tonner. Hier diese Fahrzeug mit Batteriebetrieb durch die Grube zu schicken funktioniert einfach nicht. Die Batterien werden zu groß und hielten höchstes eine viertel Schicht.

Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Mitgesellschafter Mortimer Glinz von der Schmidt, Kranz und Co. GmbH zu der die GSES gehört, bei der Haldenbefahrung im Gespräch mit Katrin Göring-Eckardt.

Und wie sieht das Konzept aus? Auf der Kalirückstandshalde sollen zwei Windräder (drei wären maximal möglich) und Solarmodule für die Energieversorgung dienen. Zum einen einen für die direkte Stromversorgung und der überschüssige Strom soll zur Wasserstoffgewinnung verwendet werden, um damit den Fuhrpark unter Tage mit Wasserstoffantrieb betreiben zu können.
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Gerade der jetzige Betrieb mit Dieselfahrzeugen bringt erhebliche Belastungen mit sich. Der Abgasausstoß muss mit den Wettern (so heißt die Luft bei den Bergleuten) mit einem großen Grubenlüfter aus der Grube befördert werden. Das passiert über den Schacht V und die Wetter landen anschließend im Wippertal.

Die Umstellung auf Wasserstoffantrieb bringt im Grubenbetrieb natürlich große Vorteile, denn des Endprodukt beim Wasserstoffantrieb ist schlicht und einfach Wasser. Wer in der Grube die Dieselabgase erlebt hat, weiß, wovon Schmiereck spricht.

Aber bei Wasserstoffantrieb scheiden sich die Geister, musste Göring-Eckardt zu hören bekommen. Es gibt erhebliche Sicherheitsbedenken wegen möglicher Explosionen, obwohl Wasserstofffahrzeuge auch in Tiefgaragen zulässig sind.
Schmiereck: Wir sind ein methanführendens Bergwerk, da muss jederzeit mit dem Austritt von Methan gerechnet werden. Auch hier besteht Explosionsgefahr. Wir beherrschen das seit Jahren.

Aber Windräder auf der Rückstandshalde? Hier gibt es jede Menge gesetzliche Hürden. Die Halde ist kein Windvorranggebiet. Der Regionalplan will keine Ausnahme zulassen. Das fünf Kilometer Kriterium, wird nicht eingehalten, denn soweit muss Bebauung entfernt sein. Dazu kommt Schloss Sondershausen das als Kulturstandort zu nahe liegt.

Auch wenn es ein tolles Projekt ist, ein Leuchturmprojekt für die Region, die rechtlichen Hürden sind sehr hoch, selbst wenn schon Zustimmung aus Richtung Kreisverwaltung und Stadtverwaltung signalsierzt wurde, so Schmiereck.

Aber auch die EEG-Umlage (soll zur Finanzierung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien dienen) ist eine große Hürde. Man würde nicht jetziger Gesetzgebung nur befreit werden, wenn der Schacht auf einen Netzanschluss vollständig verzichten würde. Das würde nach sich ziehen, dass man große Energiespeicher anlegen müsste, was das Ganze enorm verteuern würde, so Schmiereck.

Für die Energiepläne auf der Halde wurde auch schon ein Artenschutzgutachten gemacht. Der rote Milan wird nicht gefährdet, für die Fledermäuse steht das Gutachten aus.

Die Halde ist trotz Einzäunung ein Tummelplatz für Tiere. Bei der Haldenbefahrung fotografierte kn einige Rehe. Probleme bereiten uns aber Wildschweine und Wühlmäuse, so Schmiereck. Es werden Wurzeln abgefressen und neu gepflanzte Bäume regelrecht von den Wildschweinen ausgegraben.

Katrin Göring-Eckardt zeigte sich von den Plänen beeindruckt und räumte tatsächlich ein, dass es noch eine ganze Menge rechtlicher Hürden gibt.

Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Mortimer Glinz und Johann-Christian Schmiereck informierten zu Beginn der Informationsberatung über die Geschichte des Bergbaus hier am Standort und das Produktionsprofil. Gefördert wird am ehemaligen Kalistandort (bis zur Wende) jetzt nur noch Steinsalz, dass zu 99 Prozent als Streusalz genutzt wird. Ein kleiner Teil wird für touristische Zwecke als besonderes Speisesalz verkauft:
Johann-Christian Schmiereck: Es ist 220 Millionen Jahr alt, ohne Mikroplastik (wie schon manches ach so gesunde Meersalz) und nur gebrochen und abgesiebt ohne zusätzliche Energie (Siedesalz) oder Rieselhilfe, damit es fließfähig bleibt!

Während früher in Summe über die Jahre über 200 Millionen Tonnen Kalisalz gefördert werden, sind es jetzt rund 300.000 Tonnen Steinsalz. Das Grubenfeld hat eine Länge von rund 14 Kilometern.

Im Jahre 1995 begann man hier am Schacht mit dem Einbringen von Versatz (Filterasche) um die Hohlräume unter Tage zu verfüllen. Dadurch konnte die Senkung des Erdbodens von früher 40 cm pro Jahr auf 2 cm pro Jahr gesenkt werden.

Im Jahre 2005 kam die Untertagedeponie dazu. In Fässern und Bigpacks werden industrielle Reststoffe angeliefert, die aus Sicherheitsgründen besser nicht auf über Tage Deponien gelagert werden. Externe Gutachten besagen, dass die Stoffe die nächsten 10.000 Jahre dort sicher liegen.

Katrin Göring-Eckardt: Wie sieht es mit Atommüll aus?
Schmiereck: In einem aktiven Bergwerk darf so etwas nicht eingelagert werden und wir denken nicht im entferntesten daran die Produktion zu beenden, zumal die Vorräte an Salz mindestens 100 Jahre reichen.

Im Jahre 2013 erfolgte der Einstieg von Schmidt und Kranz und es wurden 32 Millionen Euro investiert. 2018 war ein besonderes Jahr, so Schmiereck. Zum einen wurde am Schacht V ein neues Fördergerüst aufgestellt (215 Tonnen 38 Meter hoch), während es in Bischofferode abgebaut wurde. Mit nur 51 Tagen Stillstand wurde das Fördergerüst ab und neu aufgebaut.

Neben dieser Produktion wird noch das Erlebnisbergwerk betrieben mit rund 18.000 Besuchern pro Jahr. Als Ausbildungsbetrieb werden Bergleute auch für Bergwerke aus NRW und Sachsen-Anhalt ausgebildet.

Schmiereck äußerte aber auch Kritik an dem neu gebildeten Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN). Die Bearbeitung dauert noch zu lange.

Kritik kam aber auch wegen zu vieler Bürokratie, mit Forderungen die nicht nach vollziehbar sind.
Beispiel: Auf der Halde werden beim Ausbringen härtere Forderungen gestellt, als es in der Landwirtschaft ist, dabei wollen wir hier nichts anbauen.

Die Haldenbegrünung ist aber sehr wichtig, damit die Rückstandshalde durch die Niederschläge nicht ausgewaschen wird. Es ist aber schwierig geeignetes Deckmaterial zu finden, so Schmiereck, weil es viele bürokratische Hürden gibt.

Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Noch etliche Hürden auf dem Weg zum energieautarken Bergwerk (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Autor: khh

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