nnz-tv Nachrichten aus Nordthüringen Eichsfelder Nachrichten Mansfeld-Südharz-Zeitung neue nordäuser zeitung Unstrut-Hainich Zeitung
Mo, 20:46 Uhr
07.09.2020
1. Sinfoniekonzert 2020- 2021

"Sie spielen wieder"

Sie spielen wieder - die Damen und Herren des Loh-Orchesters Sondershausen. Nach den äußerst erfolgreichen Sommerkonzerten im Schloss Heringen wurden nun auch die Sinfoniekonzerte zu neuem Leben erweckt. Sie standen am Beginn einer neuen Spielzeit, die aber auf Grund der coronabedingten Situation zunächst „nur“ eine Teilspielzeit sein kann. Eine Rezension von Christel Laude...

1. Sinfoniekonzert des Loh-Orchesters (Foto: Ch. Laude) 1. Sinfoniekonzert des Loh-Orchesters (Foto: Ch. Laude)
„Wir wünschen ein wundervolles Konzert“, so GMD Michael Helmrath in seinen Begrüßungsworten, „es ist schön, Sie wieder zu sehen“. Auch dem Publikum war diese Freude ins Gesicht geschrieben, und es bekam ein wundervolles Konzert.
Dennoch war Vieles anders und ungewohnt, es war ein besonderes Konzert.

In der sonst üblichen Operngala zum Auftakt einer neuen Saison wird traditionsgemäß ein Theaterpreis an verdiente Mitarbeiter des Hauses vergeben. Zu recht verdient hat einen Preis in diesem Jahr, obwohl kein künstlerischer Mitarbeiter, und deshalb als Alternativer Theaterpreis ausgelobt, der Sprengmeister Andreas West. Er hat drei Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg, die bei Bauarbeiten um das Theater gefunden wurden, erfolgreich und unter Einsatz seines Lebens entschärft. Herzlichen Glückwunsch.

Noch immer hat die Corona-Pandemie das öffentliche Leben, so auch das künstlerische, fest im Griff. Abstandsregeln müssen sowohl im Zuschauerraum als auch im Orchesterbereich auf der Bühne eingehalten werden. Viele Köpfe, so der GMD an anderer Stelle, hatten ein Konzept erarbeitet, das dieses 1. Sinfoniekonzert der neuen Saison in Nordhausen möglich machte und wofür er unendlich dankbar war. Der große Theatersaal darf nur zu einem Drittel mit Zuschauern besetzt werden. Um aber allen Abonnenten und Interessenten die Möglichkeit des Konzerterlebnisses zu geben, hat sich ein kleines Orchester von 24 Musikerinnen und Musikern bereit erklärt, das Konzert dreimal zu geben. Genial der Gedanke, lobenswert die Umsetzung durch Musiker und Dirigent.

Unter Berücksichtigung dieser besonderen Besetzung war die Auswahl der Werke stimmig getroffen. Die Musiker saßen auf der Bühne in ungewohnt großen Abständen, dennoch entwickelten sie einen homogenen Klang.

Zu Beginn des Konzertes lernte das Publikum mit Joseph Martin Kraus (1756-1792) einen Komponisten kennen, dessen Musik überwiegend freudig bewegt im klassischen Stil geschrieben war, und daher zum Teil recht vertraut klang. Ganz gewiss ist es Zufall, dass Kraus fast die gleichen Lebensdaten hat wie Mozart, dennoch spannt sich ein Bogen über das Konzert, auch musikalisch. Es ist nachzulesen, dass Kraus auch wegen seiner Hofkapellmeisterstelle beim schwedischen König Gustav III. als „schwedischer Mozart“
bezeichnet wurde. Leider sind er und seine Musik heute fast vergessen.

Nicht nur Mozart war ein Wunderkind, auch von Felix Mendelssohn Bartholdy weiß man heute um dessen überdurchschnittliche musikalische Begabung. Goethe war in besonderem Maße von ihm beeindruckt und fasziniert. Im Alter von 14 Jahren komponierte Mendelssohn
seine Streichersinfonie Nr.10 h-Moll. Sie erklang gewissermaßen als Intermezzo im 1. Sinfoniekonzert, besonders zauberhaft das Solo er Bratsche.

Zu den frühen bedeutungsvollsten Sinfonien Mozarts (1756-1791) zählt die Sinfonie Nr. 29 A-Dur. Kennern gilt sie als Schönste und Schwärmerischste des frühen Mozart. Leicht im Charakter und leicht gespielt, besonders das Menuett, war dem Dirigat und Einfühlungsvermögen des GMD in absoluter Übereinstimmung mit den Musikern „geschuldet“. Ein Lächeln huschte am Ende des Konzertes über ihr Gesicht als Zeichen der Erleichterung begleitet von stürmischem Beifall des Drittels der Besucher, stellvertretend für alle, die das Konzert erleben durften.
Christel Laude
→ Druckversion
← zum Nachrichtenüberblick

Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.
→ Kommentar hinzufügen



Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.

digital
Wir verwenden Cookies um die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren und geben hierzu Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an Partner weiter. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Impressum und der Datenschutzerklärung.